Psalm 73 – Lohnt sich das?

Der Beter von Psalm 73 ringt mit einer bis heute aktuellen Frage: Warum geht es den Gottlosen oft besser als denjenigen, die an Gott glauben? „Ich aber wäre fast gestrauchelt… als ich sah, dess es den Gottlosen so gut ging… Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glücklich in der Welt und werden reich.“ (V.2f.12)

Wir Christen versuchen manchmal für den Glauben zu werben, indem wir sagen: „Nur mit Gott kannst du wirklich glücklich sein. Nur mit Gott kann dein Leben gelingen.“ Der Beter gibt dagegen ganz offen und nüchtern zu: Das stimmt nicht. Auch als Gottloser kann man ein glückliches und tolles Leben haben. Lohnt sich dann der Glaube überhaupt? „Soll es denn umsonst sein, dass ich mein Herz rein hielt und meine Hände in Unschuld wasche?“ (V.13) Ich muss doch auch was dafür zurück bekommen!

Die Antwort, die der Beter für sich findet ist, dass er auf das Ende schaut: „Sie [die Gottlosen] gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken.“ (V.19) Er dagegen wird am Ende mit Ehren von Gott angenommen. (V.24) Diese Stelle wird üblicherweise als eine der wenigen gesehen, in der im AT die Hoffnung auf ein Leben bei Gott über den Tod hinaus aufleuchtet. Die Hoffnung des Beters ist also: Irgendwann wird sich der Glaube und das Vertrauen schon noch auszahlen.

Das ist mir zu wenig! Und so geht es wahrscheinlich den meisten Menschen. Sie denken sich: „Lieber jetzt glücklich sein, als vielleicht irgendwann später.“ Der Spatz in der Hand ist ihnen lieber als die Taube auf dem Dach. Und so argumentieren ja auch die modernen Gottlosen. Sie sagen: „Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott.“ Und sie ziehen daraus den Schluss:  „Also mach dir keine Sorgen und genieße das Leben.“ „Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben.“

Aber für mich ist die Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott nicht das einzige Argument des Beters. Und überhaupt will er mit seinem Psalm auch nicht die Gottlosen überzeugen, sondern für sich selbst Frieden finden. Er sagt: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ (V.25f) Das gilt jetzt schon, nicht erst in der Ewigkeit. Die Gewissheit, dass Gott bei ihm ist, ist wichtiger als alles andere. Da kann es den Gottlosen noch so gut gehen: Solange Gott da ist, wird alles andere zweitrangig. Das ist wie bei der Liebe: Wenn sie echt ist, dann fragen wir auch nicht, ob sich das lohnt, sondern die Liebe ist einfach da und wir können gar nicht anders, als an ihr festzuhalten.
Bibeltext

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