Psalm 7 – Aufwachen, Gott!

In diesem Psalm geht es um die eigene Unschuld und um die Bitte an Gott, dass er die Bosheit der Gottlosen straft. Die Beteuerung der eigenen Unschuld kommt in den Psalmen relativ häufig vor. Wie man an den Bußpsalmen sehen kann, ist damit nicht gemeint, dass sich die Gläubigen damals völlig ohne Schuld und Sünde sahen. Wenn sie ihre Unschuld beteuern, dann geht es ihnen darum, dass ihnen kein offensichtliches grobes Fehlverhalten bewusst ist.

Der Beter fordert von Gott Gerechtigkeit. Diejenigen, die offensichtlich Böses tun, sollen dafür auch bestraft werden. Und wie es typisch für die Psalmen ist, benutzt er recht drastische Formulierungen in seiner Bitte an Gott: „Steh auf, Herr,… Wach auf, mir zu helfen.“ (V.7) Find ich ganz schön krass, so zu Gott zu beten: „He Gott, wach auf! Hier läuft was schief! Hier hast du ein paar ganz üble Sachen verpennt. Steh endlich auf und tu was!“

Bin ich oft zu schnell dabei, mich in das Schicksal zu ergeben? Kämpfe ich im Gebet zu wenig um Gerechtigkeit? Bin ich zu schnell dabei, einfach zu beten: „Dein Wille geschehe“? Der Psalmbeter konnte das Unrecht seiner Zeit nicht einfach als Wille Gottes akzeptieren. Er kommt schreiend und klagend vor Gott und kämpft um Gerechtigkeit. Er kann sich das Böse in der Welt nur so erklären, dass Gott schläft – und mit seinem Gebet will er ihn aufwecken.

Seltsames Gottesbild. Aber dieses Bild von Gott hat drastische Auswirkungen auf die Art wie wir beten. Dieses Gebet ist auf jeden Fall sehr viel lebendiger, leidenschaftlicher, kämpferischer und ehrlicher als meine Gebete oft sind.

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