Psalm 66 – Wachsen in der Krise

Im Mittelteil dieses Psalms (V.5-12) blicken die Beter zurück auf die Geschichte Israels. Da waren wunderbare Erfahrungen dabei (V.5-6), es gab aber auch schwierige und schmerzhafte Erfahrungen (V.11-12). Spannend finde ich, dass diese Erlebnisse nicht einfach als unglückliches Schicksal gesehen werden oder als böse Fügungen des Teufels, sondern dass sie als Prüfungen Gottes gesehen werden: „Denn, Gott, du hast uns geprüft und geläutert, wie das Silber geläutert wird.“ Gott selbst wird für für diese Prüfungen verantwortlich gemacht.

Ich denke nicht, dass wir alle negativen Erfahrungen einfach automatisch als Prüfung Gottes sehen können, vor allem nicht, wenn sie andere betreffen. Da kommen wir anderen gegenüber leicht in eine Überheblichkeit rein: „Ja, das musste halt so kommen, damit Gott dich prüft und du daraus etwas lernen kannst.“ Aber jeder einzelne für sich selbst kann vielleicht so manches mal im Nachhinein erkennen, dass ein zunächst unverständliches und schmerzliches Erlebnis mich geläutert hat, dass ich darin gewachsen bin und dass mein Vertrauen zu Gott dadurch gewachsen ist.

Dazu ein geniales Zitat von Hans-Joachim Eckstein in der aktuellen Aufatmen (S.5): „Auf die Idee muss man erst einmal kommen, dass ausgerechnet das, was wir uns aus unserem Alltag immer weg wünschen – die Belastungen, die Widerstände und Schwierigkeiten – uns zu dem machen, was wir ohne sie gerne werden wollten: standhaft und geduldig, erfahren und bewährt, zuversichtlich und hoffnungsvoll.“

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