Psalm 64 – Blauäugige Hoffnung?

von windhauch

Wie in vielen Psalmen drückt sich auch in diesem Psalm die Überzeugung aus, dass Gott Gerechtigkeit schafft. Er wird die Bösen bestrafen und den Gerechten (das heißt denjenigen, die auf Gott vertrauen und ein Leben nach seinen Maßstäben leben wollen) segnen. Und zwar nicht erst in der Ewigkeit, sondern jetzt schon in diesem Leben. In der Theologie spricht man vom “Tun-Ergehen-Zusammenhang”: Wer Gutes tut, dem wird es auch gut gehen. Nur an wenigen Stellen (wie z.B. Psalm 73) wird darüber nachgedacht, warum das nicht immer so ist und warum es den “Gottlosen” oft besser geht als den Gläubigen.

Wenn ich so ein Psalm lese, merke ich bei mir, wie ich diese Aussagen und diese Zuversicht sofort kritisch hinterfrage: “Ja, schön wär’s ja, wenn das immer so wäre, dass es den Gerechten gut geht und die Bösewichte von Gott in die Schranken gewiesen werden. Aber ich muss doch nur in der Zeitung lesen oder Nachrichten schauen, um zu sehen, dass das offensichtlich nicht zutrifft. Die Bösen treiben ihr Unwesen und es scheint kein Gott da zu sein, der sie aufhält. Wo bleibt da Gottes Gerechtigkeit?”

Sind solche Psalmen wie Ps. 64 ein Hoffen gegen den Augenschein? Ein Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit, auch wenn es ganz anders aussieht? Oder sind solche Aussagen einfach nur blauäugig und unrealistisch?
Bibeltext



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