Psalm 60 – Das Feuer der Niederlage

Israel glaubt an den Schöpfer und Herrn der ganzen Welt. Es glaubt an einen Gott, dem nichts unmöglich ist. Und doch musste es immer wieder erfahren, dass das nicht bedeutet, immer nur zu siegen und nie eine Niederlage einstecken zu müssen. Psalm 60 ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Israel immer wieder lernen musste, mit (militärischen) Niederlagen umzugehen. Es geht los mit dem noch staunenden Erschrecken, dass Gott nicht geholfen hat, dass er die Niederlage zugelassen hat. Israel hat Gott als zornig erlebt. Ein Gott, der sie verstoßen hat. Dann folgt eine Zusage und Verheißung Gottes. Am Ende folgt dann die Erkenntnis, dass menschliche Kraft nichts nützt und nur mit Gottes Kraft Großes möglich ist.

In der Stuttgarter Erklärungsbibel wird das sehr schön zusammen gefasst: „Die Niederlage hat deutlich gemacht, dass auf die eigene Kraft kein Verlass ist. Andererseits wirft eine Niederlage das Volk Gottes nicht nieder, sondern zurück auf Gott, der alle Macht hat.“ Das mag ich an diesem Psalm: Dass hier die Zuversicht durch das Feuer der Niederlage und des Zweifels hindurch gegangen ist. Das ist keine blauäugige und leichtfertige Erwartung: „Ja, Gott wird’s schon richten!“ Sondern das ist ein schmerzlich erkämpftes und tief existentielles Festklammern an Gott, weil man erlebt hat, dass alles andere ja doch nichts bringt.
Bibeltext

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