Psalm 6 – Tu Buße, Gott!

Nachdem ich mit dem Psalm gestern (Psalm 5) so meine Probleme hatte, was den Umgang mit Sünde angeht, zeigt Psalm 6, dass auch damals die Gläubigen schon ein sehr tiefes Verstehen ihrer eigenen Sünde und Verlorenheit hatten. Psalm 6 wird als der erste von sieben Bußpsalmen gesehen (Ps. 6; 32; 38; 51; 102 und 143). Der Psalmbeter spricht nun gerade das Gebet, das ich auch in Ps. 5 erwartet hätte: „Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach.“ (V.3)

Mich bewegt die Ehrlichkeit des Beters: Seine Verzweiflung, seine Kraftlosigkeit, seine Tränen sind förmlich mit Händen zu greifen. Immer wieder erstaunlich, was in unserer Bibel alles Platz haben darf: An vielen Stellen in den Psalmen der erschreckend harte Zorn von Gläubigen gegenüber ihren Feinden. Und hier die offene Frage und Anklage an einen Gott, der sich mit seinem Eingreifen und seiner Hilfe offensichtlich Zeit lässt. Schön, dass die Bibel nicht einfach alles theologisch glatt bügelt, sondern dass sie uns genügend Ecken und Kanten gibt, an denen wir uns immer wieder anstoßen, aber auch festklammern können.

Interessant fand ich bei dem Psalm auch, dass zur Buße offensichtlich nicht nur das reumütige Bekenntnis der eigenen Schuld und Verlorenheit gehört, sondern auch die eindringliche Bitte an Gott, endlich einzugreifen: „Ach du, Herr, wie lange! Wende dich, Herr, und errette mich, hilf mir um deiner Güte willen!“ (V.4-5) Buße heißt ja von der Grundbedeutung her „Umkehr“ oder „Sinneserneuerung“. In Psalm 6 kehrt nicht nur der Beter um zu Gott, sondern er fordert zugleich von Gott, dass dieser auch umkehrt („Wende dich, Herr!“). In diesem Sinn fordert der Beter auch Gott zur Buße auf: Er soll umkehren, er soll endlich eingreifen, er soll anders handeln als bisher. Ganz schön mutig dieses Gebet! Ob wir heute auch noch so mutig beten dürfen?!? 😉

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