Psalm 45 – unpassend
von windhauch
Zur Abwechslung mal ein Psalm, mit dem ich gar nicht viel anfangen kann: Da schmiert ein Tempelsänger dem König Honig um den Mund (wohl anlässlich seiner Hochzeit). Auf schwülstigste Weise wird da die Schönheit, charakterliche Stärke und der Reichtum des Königs gepriesen. Der Beter redet den König sogar als Gott an (V.7) – bei anderen Völkern damals war das wohl normal, bei Israel eigentlich undenkbar! Erstaunlich, dass so etwas in der Bibel steht!
Schon andere hatten Schwierigkeiten diesen Psalm einfach in seinem wörtlichen Sinn stehen zu lassen. Der Autor des Hebräerbriefes bezieht diesen Psalm ganz einfach auf den Messias, auf den Sohn Gottes (Hebr. 1,8-9). Und schon ist der Psalm wieder theologisch korrekt! Wobei dann natürlich die Frage bleibt, wie manch andere Verse des Psalms zu lesen sind, z.B. V.15, wo beschrieben wird, dass mit der Hochzeit Jungfrauen und ihre Gespielinnen dem König zugeführt wurden?!
Interessant auf jeden Fall, wie die Bibel sich da selbst auslegt und sich auch selbst korrigiert. Das scheint wohl das hebräisch-orientalische Denken von unserem griechisch-römisch-westlichen Denken zu unterscheiden: Unpassendes wird nicht einfach raus geschnitten und als falsch entlarvt, sondern übernommen, umgedeutet und somit passend gemacht.
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