Psalm 39 – Lass mich in Ruhe, Gott!

Ein Psalm mit einem verstörenden Ende: „Lass ab von mir, dass ich mich erquicke, ehe ich dahinfahre und nicht mehr bin.“ (V.14) Auch in moderner Übersetzung hört sich das nicht viel besser an: Wende deinen strafenden Blick von mir ab, damit ich noch einmal aufatmen kann, bevor ich gehen muss und nicht mehr bin!“ (Gute Nachricht Bibel) Oder frei formuliert: „Lass mich in Ruhe, Gott. Dann kann ich mein Leben, das sowieso bald zu Ende ist, wenigstens noch ein bisschen genießen. Hör auf mich fertig zu machen, ich kann nicht mehr!“

Mutig, so ein Gebet! Und noch mutiger, dass so ein Gebet in die Bibel aufgenommen wurde!
Bibeltext

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4 Gedanken zu „Psalm 39 – Lass mich in Ruhe, Gott!“

  1. wirklich mutig … denn Hand auf’s Herz, es gibt doch auch Minuten, dass wir so denken. Ich schäme mich dann zwar und schau ganz bescheiden.

    Mir machen aber solche Verse in der Bibel absolut Mut, so mutig sein zu dürfen. Warum soll ich solche Momente auch verstecken, wenn mein himmlischer Vater mir doch sowieso ins Herz schauen kann.

    1. Ja, geht mir auch so. Ich find’s gut und wichtig, dass auch solche Texte in der Bibel stehen. Besser ehrliche Anfragen an Gott, als ein unehrlicher Glaube.
      Das trifft es genau: Gott kann mir sowieso ins Herz schauen.

  2. Vielleicht sollte man diese Aussage nur in Verbindung mit Vers 7 ff bringen. David bittet Gott um Errettung von seinen Sünden und setzt seine Hoffnung ganz auf Gott, damit dieser ihm hilft und alles wohlmacht. Wenn er nun sagt Laß ab von mir meint David nicht laß mich in Ruhe, sondern beende bitte deine Strafe, wie schon in vers 10, denn ich gestehe meine schuld ein und vergehe, wenn du mir nicht vergibst.

    1. Hallo alex!
      Danke für Deine Ergänzung. Ich denke auch, dass es David nicht darum geht, dass Gott ihn ganz allgemein und umfassend in Ruhe lässt, sondern v.a. darum, dass er ihn nicht länger straft (so wie er es in V.11-12 ausdrücklich sagt und wie es in der Guten Nachricht auch deutlich wird: „Wende deinen strafenden Blick von mir ab“, V.14).
      Es bleibt für mich aber erstaunlich und mutig, dass der Psalm mit dieser verzweifelten und sogar schon resignativ klingenden Bitte schließt. David rechnet damit, dass er bald sterben wird (V.14: „ehe ich dahinfahre und nicht mehr bin“) und er scheint die Strafe Gottes dafür als Ursache zu sehen (V. 11b: „Ich vergehe, weil deine Hand nach mir greift“).

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