Psalm 32 – Sich selbst seine Sünde verschweigen

In der kirchlichen Tradition ist das der zweite Bußpsalm: Es geht um Sünde, Buße (= Umkehr) und Vergebung. Mich hat beim lesen v.a. V.3 angesprochen: „HERR, erst wollte ich meine Schuld verschweigen; doch davon wurde ich so krank, dass ich von früh bis spät nur stöhnen konnte.“ (Gute Nachricht Übersetzung) Der Beter hat erlebt, dass das Verschweigen von Sünde krank macht (aber Vorsicht: Daraus kann man nicht den Umkehrschluss ziehen, dass jede Krankheit ihre Ursache in nicht vergebenen Sünden hat!).

Für uns westliche Christen ist dieser Zusammenhang von Sündenbekenntnis und Vergebung gar nicht so leicht, wirklich existentiell zu verstehen. Wir sind alle geprägt von einem Gottesbild der griechischen Philosophie, nach dem Gott allwissend ist. Wenn er alles weiß und meine Sünde noch viel besser kennt als ich, dann ist es doch eigentlich unnötig sie zu bekennen – Gott weiß das alles doch schon längst. Ich merke bei mir selbst, dass ich schnell dabei bin, ganz allgemein um Sündenvergebung zu bitten, weil ich ja weiß, dass Gott viel besser all meine Sünden kennt als ich selbst. Damit kann man sich aber auch sehr bequem um eine echte Auseinandersetzung mit der eigenen konkreten Sünde herum drücken.

Aber geht es beim Bekennen der Sünde darum, Gott etwas zu sagen, was er nicht weiß? Als ob wir Gott wirklich unsere Sünde verschweigen könnten! Nein, es geht darum, zunächst einmal selbst zu erkennen, wo ich schief liege und wo ich mich von Gottes Willen entfernt habe. Sünde verschweigen heißt nicht nur dass ich versuche, Gott etwas vorzumachen (was ja sowieso nicht geht), sondern es heißt v.a., dass ich mir selbst etwas vormache. Der erste Schritt der Buße ist: Sich selbst und seine Fehler ehrlich anschauen. Der nächste Schritt heißt: Diese Sünden zu verbalisieren, sie bewusst vor Gott aussprechen. Gerade so kann dann die Sündenvergebung ihre volle heilende und befreiende Wirkung entfalten.
Bibeltext

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