Psalm 26 – Selbstjustiz?

„Ich wasche meine Hände in Unschuld…“ (V.6) Ja, das kann ja jeder sagen! Bei diesem Ausdruck (der wohl schon damals sprichwörtlich war!?) kommt bei mir schnell die Vermutung hoch: Der tut doch nur so! Wer ist schon wirklich unschuldig? Und schnell denk ich an Pilatus, der sich mit der Geste des Händewaschens nur auf billige Weise von seinem schlechten Gewissen befreien wollte.

Aber bei dem Beter von diesem Psalm war es wohl wirklich so, dass er – zumindest in der Sache in der er angeklagt wurde – unschuldig war. Was tun, wenn man zu unrecht angeklagt wird? Zur Selbstjustiz greifen? Auf eine gerechte Rechtssprechung vertrauen? Oder, so wie es der Psalmschreiber tut, einfach nur zu Gott beten?

Ich war noch nie vor Gericht angeklagt, aber bei jedem von uns ist es doch immer wieder so, dass wir uns von anderen ungerecht behandelt fühlen. Was tun? Selbstjustiz – sich selbst wehren und dem anderen eins auswischen? Oder einfach auf Gott vertrauen, dass er uns Recht verschafft? Wie ist das, wenn z.B. jemand hinter meinem Rücken über mich herzieht? Soll ich auch anfangen schlecht über ihn zu reden? Wie ist das, wenn mir jemand nicht die Aufmerksamkeit schenkt, die ich mir wünsche? Soll ich ihn in Zukunft einfach nicht beachten und ihn beleidigt links liegen lassen? Oder soll ich einfach nur beten: „Herr, schaffe mir Recht, denn ich bin unschuldig!“ (V.1)
Bibeltext

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Ein Gedanke zu „Psalm 26 – Selbstjustiz?“

  1. Alle sind Sünder – das ist ja schon einmal klar. Ich bin mir daher auch sicher, dass der Beter dieses Psalms sich im Grunde als Sünder anerkennt.

    Ich beziehe diesen Psalm für mich persönlich daher wirklich auf einen Menschen der zu unrecht inhaftiert oder vielleicht sogar gefoltert wird. Was für ein Gefühl muss es sein unschuldig im Gefängnis zu sitzen und im schlimmsten Fall auf die Vollstreckung eines Todesurteils zu warten?

    Vor diesem Hintergrund kann ich der Formulierung „Ich wasche meine Hände in unschuld (…)“ voll zustimmen. Die Möglichkeit, zur Selbstjustiz greifen zu können, wird solch ein Mensch auch nicht haben in sofern lohnt das darüber nachdenken wohl auch nicht.

    In diesem speziellen Fall kann man wohl nur noch zu Gott beten.

    Im Allgemeinen, also nicht in so einem krassen Fall, kann man dadurch auch nur gewinnen. Wenn man wirklich an Gott glaubt, dann fühlt man sich nach einem solchen Gebet mit Sicherheit besser. Man weiß eben, dass man nicht alleine ist…

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