Psalm 25 – Realismus des Glaubens

Ich finde es immer wieder spannend, wie die Gebete der Psalmen zwischen Vertrauen, Bitte und Klage hin- und herschwanken. Immer wieder wird ein scheinbar unerschütterliches Vertrauen in Gottes Eingreifen und Gottes Hilfe deutlich. In Psalm 25 z.B. in V.3: „Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.“ Daneben tritt oft unvermittelt die Bitte, um genau die Dinge, auf die man so fest vertraut. In Ps. 25,2: „Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden.“ Obwohl der Beter felsenfest davon überzeugt ist, dass keiner „zuschanden wird“, der auf Gott vertraut, bittet er genau darum. Und in V.16-18 tritt dann sogar neben die Bitte auch noch die Klage: „Ich bin einsam und elend… Sieh an meinen Jammer und mein Elend“

Wenn Gott derjenige ist, der allen Gläubigen nur Gutes tut, warum muss der Beter dann darum bitten und warum klagt er darüber, dass es nicht so ist? Interessant, dass der Beter alles gleichzeitig zu erleben scheint: Die Gewissheit, dass Gott da ist und hilft. Und die Erfahrung, dass es eben nicht so ist. Deswegen kommt er vor Gott und klagt und bittet.

Diesen Realismus des Glaubens mag ich. Denn ich erlebe meinen Glauben ähnlich. Einerseits als festes Vertrauen und Geborgenheit in einen Gott, der da ist, der erfahrbar ist, der in mein Leben eingreift und hilft. Aber eben oft auch die Enttäuschung darüber, dass Gott so fern scheint, dass er scheinbar so wenig in unsere Welt eingreift, dass ich oft so wenig von ihm spüre.
Bibeltext

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