Psalm 22, 23-32 – Dank feiern

V. 22 endet mit den Worten: Du hast mich erhört! Und jetzt, ab V. 23 folgt ein Danklied, mit dem der Beter für die Erhörung seiner Klage dankt. Die Stuttgarter Erklärungsbibel schreibt dazu: „Viel direkter als in heutiger Praxis wurde beides, Klage und Dank, in den Gottesdienst hineingenommen. Das Danklied wurde im Zusammenhang mit dem Dankopfer vorgetragen, mit dem der Beter das in der Not abgelegte Gelübde erfüllt.“ D.h. dass sowohl die Klage als auch der Dank ausdrücklich in einem öffentlichen Gottesdienst zur Sprache kamen. Und zwar so, dass die Klage nicht erst zitiert wurde, als alles schon vorbei war und das Gebet erhört wurde, sondern die Klage und Bitte wurde in einem Gottesdienst vorgebracht – sie hat ihr eigenes Recht und ihre eigene Berechtigung unabhängig von der Erhörung. Erst später, nach der Erhörung kam es zu einem Dankgottesdienst mit Dankopfer.

Ich finde diese Vorstellung schön, dass beides, Klage und Dank, viel mehr in den Gottesdienst mit hineingenommen wurde. Beides hat seinen Platz und soll auch konkret zur Sprache kommen können. Das ist heute sicher von Gemeinde zu Gemeinde verschieden, aber oft ist es doch so, dass sowohl der Dank, als auch und noch viel mehr die Klage nur sehr abstrakt und unpersönlich in unseren Gottesdiensten vorkommen.

So ein Dankopfer-Gottesdienst hat doch auch was für sich. Denn beim Opfer wurde nicht einfach alles für Gott verbrannt, sondern die Teilnehmer bekamen auch was von dem leckeren Fleisch ab – sie haben also miteinander gegessen und gefeiert. Nicht nur in trockenen Worten, sondern auch mit saftigem Fleisch und fröhlicher Gemeinschaft. Das hört sich für mich alles irgendwie handfester, tiefer und konkreter an, als unser oft so verkopfter Glaube. Sowohl was die Klage und Verzweiflung angeht, als auch was den Dank und die Freude über Gott angeht…
Bibeltext

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4 Gedanken zu „Psalm 22, 23-32 – Dank feiern“

    1. Ja. Und eigentlich geht das ja gar nicht: „Verkopfter Glaube“, denn Glaube betrifft immer auch mein Herz, mein Handeln,… mein ganzes Leben – und nicht nur den Kopf!

      1. Ja. Damit hast du vollkommen Recht.

        Ich finde das allerdings auch sehr interessant, dass ein Pastor eine Erklärungsbibel hat. Vielleicht sollte ich mir auch eine kaufen…

        1. Naja, auch ein Pastor weiß nicht alles… 😉 So als erste Information, was andere über einen Text denken, ist so eine Erklärungsbibel ganz hilfreich. Da muss man für manche Erklärungen nicht erst dicke Kommentare wälzen.
          Allerdings muss man sich immer wieder klar machen, dass die Erklärungen nicht zum Text gehören und nur eine Ergänzung und oft hilfreiche Erläuterung zum Text sind. Außerdem sollte man im Hinterkopf behalten, aus welcher theologischen Ecke die Erklärungen kommen und wo vielleicht andere Theologen andere Akzente setzen.
          Die Stuttgarter Erklärungsbibel gibt einen ganz guten und kurzen Überblick über die wissenschaftliche „Mainstream“-Meinung und -Forschungsstand der letzen Jahre zu den Texten. Das find ich für den schnellen Überblick sehr hilfreich…

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