Psalm 16 – Billige Vertröstung auf das Diesseits

Sonne über GräbernIch finde es immer wieder erstaunlich, dass ein Thema das im Neuen Testament sehr zentral ist, im Alten Testament fast gar nicht vorkommt: das ewige Leben bei Gott. Das Neue Testament ist ohne eine Auferstehung der Toten nicht zu denken.  Im Zentrum steht dabei die Auferstehung Jesu Christi, aber auch darüber hinaus, wird immer wieder vom Leben nach dem Tod gesprochen. Im Alten Testament taucht dieser Gedanke und diese Erwartung fast gar nicht auf. Die Gläubigen des Alten Testaments sind sehr Diesseits-orientiert. Erst im Lauf der Geschichte breitet sich langsam die Gewissheit aus, dass es eine Auferstehung der Toten gibt. Aber selbst zu Zeit Jesu wurde unter den Juden noch heftig darüber gestritten, ob es so was geben kann. Die Sadduzäer glaubten z.B. nicht daran (vgl. Mt. 22,23).

In Psalm 16 taucht so ein kleiner Schimmer der Hoffnung auf, dass mit dem Tod doch nicht alles aus sein könnte: „Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Grube sehe.“  (V.10) Allerdings ist auch die Auslegung von diesem Vers umstritten: Man kann V.10 auch so deuten, dass der Beter sich sicher ist, dass er nicht sterben wird, sondern Gott ihm noch ein glückliches, irdisches Leben schenkt.

Ich denke wir dürfen beide Dimensionen nicht vernachlässigen: Das Diesseits und das Jenseits. Mit dem Neuen Testament bin ich überzeugt, dass Gott stärker ist als der Tod. Die Gemeinschaft mit Gott kann durch den Tod nicht einfach abgebrochen werden. Aber er ist zugleich ein Gott, der uns hier auf der Erde, hier im Diesseits begegnen möchte. Gerade dazu hat er ja Jesus gesandt.

Es gibt zwei Gefahren: Man kann zu stark das Jenseits betonen. Das wirft man uns Christen ja oft vor, dass wir nur eine billige Vertröstung auf die Zukunft haben. Aber man kann auch zu sehr das Diesseits betonen. Ich habe vor kurzem gehört, wie das jemand als „billige Vertröstung auf das Diesseits“ bezeichnet hat. Wenn ich alles Glück und Leben aus diesen 80 Jahren hier auf der Erde rausquetschen muss – das ist doch schrecklich, hoffnungslos und überfordert total! Klar, ich darf mich über das Leben und über manches Glück freuen und es genießen. Aber ich weiß auch: Selbst wenn ich nicht jeden Tag den ultimativen Kick erlebe, kann ich gelassen bleiben. Ich hab ja noch eine Ewigkeit mit Gott. 😀

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Foto: aboutpixel.de / licht am ende… © Mosquita

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