Psalm 15 – Wer darf zu Gott kommen?

„Uaaahhhh!“ Als jemand, der evangelische Theologie studiert hat, stehen mir bei diesem Psalm die (weniger werdenden 😉 ) Haare zu Berge! Der Beter fragt dem Sinn nach: Wer darf zu Gott kommen? Und seine Antwort: „Wer untadelig lebt und tut, was recht ist.“ Nein, nein, nein! Das geht doch so nicht! SOLA GRATIA! SOLA FIDE! Allein aus Gnade! Allein aus Glaube! Das bekommen wir protestantischen Christen doch schon mit der Muttermilch eingetrichtert: Wie werden wir vor Gott gerecht? Allein durch Gottes Gnade und durch unser Vertrauen (=Glaube). Nicht unsere Taten, nicht unsere Werke, nicht unser vorbildliches Leben verschafft uns Zugang zu Gott, sondern allein unser Vertrauen darauf, dass Jesus durch Tod und Auferstehung den Weg frei gemacht hat!

Soweit, so gut! Aber auf der anderen Seite machen wir es uns damit auch manchmal zu bequem und einfach. Solange du nur richtig glaubtst (womöglich noch Glaube im Sinn von rein intellektuell etwas für richtig halten), ist es egal wie du lebst. Es gibt mehr als genug Stellen in der Bibel, die dieser Vereinfachung widersprechen. Zum Glauben gehört immer auch ein entsprechendes Leben. Natürlich schaffe ich es nicht, ein wirklich „untadeliges“ Leben zu führen. Ich werd immer wieder Fehler machen und ich brauche jeden Tag neu die Gnade und Vergebung Gottes. Aber wenn ich nicht wenigstens das ehrliche Verlangen danach habe, solch ein Leben zu führen, dann muss ich mich fragen, ob mit meinem Glauben alles in Ordnung ist.

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4 Gedanken zu „Psalm 15 – Wer darf zu Gott kommen?“

  1. Das Tun eines Christen ist verleiblichter, in der Liebe wirksamer Glaube – reifender Glaube, an dem der „alte Mensch“ stirbt, Angeld/Anrecht ewigen Heils. Luther hat meines Wissens nie etwas anderes behauptet.

    Ein anregendes Internet-Tagebuch ;-).

  2. Hallo Eule! Willkommen bei windhauch.
    Zu deinen Bemerkungen kann ich nur sagen: Amen dazu! Ich denke auch, dass Luther entsetzt gewesen wäre, über eine billige Verflachung von sola gratia und sola fides…
    Nur fällt es uns in der Praxis manchmal schwer, die Spannung zwischen dem Zuspruch von Gottes Gnade, die alles schenkt und dem Anspruch des Glaubens, der in der Liebe wirksam wird, nicht auf die eine oder andere Seite hin aufzulösen. Und ich merke bei mir selbst immer wieder, dass es so schön einfach und bequem ist, beim Geschenk der Gnade stehen zu bleiben… 😉

    1. Hallo Windhauch – Danke für Deine Reaktion. Ja, der „Anspruch des Glaubens“ – ich meine, so sollte ich ergänzend zu meinem Beitrag hinzufügen, daß dem Glauben als Befreitsein zur zu sich gekommenen Freiheit die An-Forderung in dem Maße zugeordnet ist wie er als Gnadengeschenk in den Zusagen des Evangeliums gründet. Die Liebe bildet gewissermaßen sein Energiefeld. Christus sprach ja – in Abgrenzung zur Buchstabenfrömmigkeit der Schriftgelehrten insonderheit – auch von Liebeswerken, also von Verleiblichungen, Erscheinungsformen des in und von der Liebe beseelten Heilsglaubens. Somit ist der dem Gottvertrauen zukommende An-Spruch Appell an das allein durch Gnade geöffneten und im Gebet waltenden inneren Gehörs, eines subjektiven Hörorgans allerdings, das in Selbstverkrümmung (auch der frommen Variante!) gewissermaßen einer Verstopfung unterliegt und gerade deshalb der Vergebung resp. Befreiung bedarf. Kurzum und im Zusammenhang mit Deiner letzten Bemerkung formuliert: Es ist für den totalen Unglauben ebenso einfach wie bequem, in sich zu verharren und aus sich das vermeintliche Heil im Abgott zu suchen – ab- und jenseits der unverdienten Barmherzigkeit und Gnade Gottes.

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