Psalm 140 – Wer anderen eine Grube gräbt

Noch ein Psalm, in dem es um Feinde und um Rache geht… Hab inzwischen zu diesem Thema schon sehr viel geschrieben… Deswegen heute mal eine Verbindung mit dem aktuellen Tagesgeschehen: Die Schweizer verbieten per Volksabstimmung den Muslimen Minarette zu bauen. Da kann man viel drüber reden und diskutieren… und es wird auch deutlich, welche Ängste in den Köpfen von uns Westeuropäern herum schwirren. Man kann wohl sagen, dass so mancher die Muslime ganz allgemein als „Feinde“ unserer westlichen Welt sehen (übrigens: In diesem „ganz allgemein“ liegt für mich der Kern des Problems…).

Wie gehen wir mit Feinden um? Psalm 140 ist (im Vergleich mit manch anderen Psalmen) noch recht zurückhaltend. Hier wird gesagt: „Das Unglück, über das meine Feinde beraten, komme über sie selbst.“ (V.10) So nach dem Motto: Wer anderen eine Grube gräbt, soll selbst hinein fallen. Im Umgang mit dem Islam könnten wir nun sagen: „Okay, wenn in vielen islamischen Ländern keine Kirchen gebaut werden dürfen und Christen unterdrückt und verfolgt werden, dann ist es doch mehr als gerechtfertigt, dass wir auch die Ausübung des Islams in unseren Ländern einschränken. Wenn wir bei denen keine Kirchtürme bauen dürfen, dann sollen die bei uns auch keine Minarette bauen!“

Aber da gibt es halt noch diesen seltsamen Jesus, der so völlig anders handelt, denkt und lehrt, als uns der gesunde Menschenverstand einflüstert. Er sagt: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen.  Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt.5,43-45) Eieiei, wieder mal sehr unbequem was dieser Typ aus Nazareth so von sich gibt…
Bibeltext

Psalm 140 – Wer anderen eine Grube gräbt
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3 Gedanken zu „Psalm 140 – Wer anderen eine Grube gräbt“

  1. hmm – das halte ich für sehr weit hergeholt…

    ja, es regnet über Gute und über Ungerechte, aber man muss beide trotzdem unterscheiden und benennen können – Liebe deine Feinde heißt ja nicht, dass das Evangelium keine Feinde mehr hätte!

    Natürlich liebe ich die Muslime (kein Spruch, ich habe fast ein Jahr unter ihnen gelebt) und bete und arbeite dafür, dass sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Liebe heisst doch nicht, dass ich jmd. auf seinem falschen Wegen gewähren lasse, ihn gar bestätige oder unterstütze – das ist KEINE Liebe!
    Da geht einiges schwer durcheinander bei den „Mitteleuropäern“ im Allgemeinen und den Christen im Speziellen…

    endlich geht ein Volk mal basisdemokratische Wege und lässt sich nicht von korrupten Politikern an der Nase herumführen und die eigene Meinung als „political incorrect“ verbieten, und schon geht ein Raunen durch die Menge, dass hätte was mit Unterdrückung oder Lieblosigkeit zu tun und der Imam schüttelt verständnislos den Kopf ob solcher Unzumutbarkeiten – verkehrte Welt!

    ..nicht dass man Böses mit Bösem vergelte, aber hier scheint mir das Zitat „ziehe zuerst den eigenen Balken heraus“ wirklich angebrachter angesichts täglich verfolgter und getöteter Kinder Gottes (unsere Geschwister!) in der islamischen Welt – wer empört sich darüber und wie oft hört man davon in den Medien?..

    segensreiches brainstorming

    1. Noch ein bisschen brainstorming:

      „Liebe heisst doch nicht, dass ich jmd. auf seinem falschen Wegen gewähren lasse, ihn gar bestätige oder unterstütze – das ist KEINE Liebe!“ Da geb ich dir völlig recht!

      Aber: Die Schweizer haben ja nicht aus Liebe zu den Muslimen so entschieden, sondern einfach aus Angst vor dem Fremden und Unbekannten. Vom normalen Empfinden her denken wir alle wohl eher nach dem Motto Auge um Auge: „Wenn wir in vielen muslimischen Ländern keine Kirchen bauen dürfen, dann sollen die gefälligst auch hier nichts bauen dürfen…“.

      Und natürlich empfinde ich es auch als blanker Hohn, wenn jemand wie der türkische Ministerpräsident diese Entscheidung als intolerant und faschistisch brandmarkt. Was manche Christen in der Türkei erdulden müssen ist tausendmal schlimmer, als dass sie nur keinen Kirchturm bauen dürfen. Und ich finde es genau so unmöglich wie du, dass westliche Medien das Thema Christenverfolgung totschweigen.

      Trotz all dem möcht ich mich von dieser Herausforderung Jesu immer wieder in Frage stellen lassen: „Liebet eure Feinde!“ Für mich ist es einfach sehr fraglich, ob das Verbot, Minarette zu bauen ein geeignetes Mittel ist, um Muslimen Jesus groß zu machen…

      1. ok lieber Jochen,
        dann sind wir uns ja einig! 🙂

        Ich kann und möchte gar nicht groß die Motivation der Schweizer hinterfragen oder beurteilen – und Minarette sind sicher nicht das Problem – wir müssen unsere eigene Nase ergreifen und fragen, wö ist die Kraft, die in der Wahrheit wirksam ist?

        Muslime wird man schwerlich mit christlichem Getue beindrucken, aber die Macht der Liebe reißt die Bollwerke ein…

        LG + Segen

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