Psalm 139 – Wunderbarer Schöpfer

von windhauch

Nachdem ich am Wochenende unterwegs war geht es jetzt weiter mit dem bekannten Psalm 139 (auf den sich manche ja schon sehr freuen;) ). Mit wundervoller und bildhafter Sprache wird hier Gottes Größe, Schöpfermacht und Fürsorge beschrieben. Ich finde diesen Psalm klasse und für mich ist es nicht beängstigend, dass Gott mich besser kennt als ich mich selbst, sondern tröstlich.

Aber beim heutigen Lesen bin ich an V.13-14 hängen geblieben: “Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.” Dabei musste ich an Menschen denken, denen diese Worte nicht so einfach über die Lippen kommen. Z.B. Menschen, die von Geburt an behindert sind oder Menschen, denen ein depressiver Charakter mit in die Wiege gelegt wurde und die ein Leben lang damit zu kämpfen haben. Oder missgestaltete Babys, die mit zu viel oder zu wenig Gliedmaßen auf die Welt kommen. Oder Menschen mit Intersexualität. Können wir da auch so einfach sagen, dass sie wunderbar gemacht sind?

Für mich deutet sich hier ein grundsätzliches Spannungsfeld an, wenn wir von Gott dem Schöpfer sprechen. Einerseits betont die Bibel, dass Gott alles erschaffen hat und dass alles, was er erschafft, sehr gut ist. Andererseits sieht die Bibel auch sehr klar, dass wir in einer gefallenen Schöpfung leben und dass so manches nicht mehr dem guten Schöpferwillen Gottes entspricht. Die Schwierigkeit ist, diesem Spannungsfeld gerecht zu werden. Einerseits die Freude über Gottes gute Schöpfung (welche in Psalm 139 sehr deutlich wird) und andererseits der Realismus, dass es in unserer gefallenen Schöpfung und auch in mir selbst so manches gibt, was dem Schöpfer gar nicht gefällt.

Nichts desto trotz bin ich auch davon überzeugt, dass auch ein Mensch, der die Gefallenheit unserer Welt am eigenen Leib in besonderer Weise tragen muss (z.B. durch eine Behinderung), trotzdem für sich selbst zu der Aussage gelangen kann (nicht muss!), dass Gott ihn wunderbar geschaffen hat. Ich glaube, dass Gott auch aus Scherben noch etwas Schönes und Wundervolles gestalten kann. Und das erlebt ja jeder, auch ich: In jedem von uns wird an mehr oder weniger offensichtlichen Stellen deutlich, dass wir in einer gefallenen Welt leben, die eben nicht perfekt ist. Ich bin z.B. stark kurzsichtig – ohne Brille ziemlich hilflos… Trotzdem kann ich für mich sagen, dass Gott mich wunderbar erschaffen hat. Und auch bei mir gibt es sicher noch so manche andere Scherben, aus denen Gott in mühevoller Kleinarbeit etwas Gutes und Schönes schafft. Bibeltext

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