Psalm 138 – Mitten in der Angst

Wenn ich mitten in Angst wandle, so erquickest du mich.“ (V.7) Das Wort, das Luther hier mit Angst übersetzt ist eigentlich eher mit „Bedrängnis“ zu übersetzen. Es ist also das gemeint, was einen in Angst versetzen kann. Trotzdem find ich die Übersetzung Luther in Ordnung. Denn es geht in der zweiten Hälfte gerade nicht darum, dass Gott die Bedrängnis weg nimmt, sondern dass er uns hilft damit umzugehen, dass er uns in unserer Angst hilft und „erquicket“.

Vor kurzem hab ich bei einem christlichen Psychologen einige spannende Ausführungen zum Thema Angst gelesen (U. Giesekus: Glaub dich nicht krank). Er betont, dass nicht die Angst an sich schlecht ist. Angst und auch andere Gefühle sind einfach normale Reaktionen, die Gott uns mitgegeben hat und die uns helfen sollen Gefahren zu erkennen und dann richtig zu reagieren. Wenn wir als Christen sagen, dass wir gar keine Angst zu haben brauchen (oder schlimmer: keine Angst haben dürfen), dann verdrängen wir unsere Gefühle und machen uns krank. Das Problem ist nicht die Angst an sich, die ist normal und okay. Das Problem ist, wenn wir falsche oder übertriebene Ängste haben oder wenn wir unangemessen auf die Angst reagieren.

In diesem Psalm geht es nun nicht unbedingt darum, dass Angst als etwas Neutrales oder sogar Positives dargestellt wird. Aber es wird deutlich, dass Gott nicht einfach alle Bedrängnis und Angst weg nimmt, sondern dass es ihm wichtig ist, dass wir richtig darauf reagieren. Er hilft uns durch die Angst hindurch, er erquickt uns, d.h. er gibt uns neue Kraft und Hoffnung. Wichtig in der Angst ist, dass sie nicht zu groß und übermächtig wird und uns lähmt. Das Gefühl der Angst an sich können wir nicht einfach abstellen – sie ist da und warnt uns vor Gefahr. Aber aus Perspektive des Glaubens kann sie ins richtige Verhältnis gesetzt werden.
Bibeltext

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