Psalm 122 – Von Außen nach Innen

Dieser Psalm ist ein Wallfahrtslied. Die frommen Juden sollten nach Möglichkeit drei mal im Jahr zum Tempel in Jerusalem pilgern. In dem Psalm wird etwas von der Freude deutlich, die die Pilger bei der Ankunft in Jerusalem empfinden.

Ich hab noch nie eine Pilgerreise gemacht. Ich hab keinen großen Drang, irgendwo besondere heilige Orte aufzusuchen. Wie für viele evangelische Christen ist für mich der Glaube eine Sache des Herzens und nicht eine Sache des äußeren Ortes. Und doch bringt mich dieser Psalm ins Nachdenken: Haben wir da nicht auch etwas verloren? Konzentrieren wir uns zu sehr auf die Innerlichkeit und haben so manche äußeren Ausdrucksmöglichkeiten und Hilfsmittel des Glaubens verloren?

Ich glaube nicht umsonst sind viele (auch nichtgläubige) Menschen von solchen Pilgerwegen wie dem Jakobusweg begeistert. Ich glaube schon dass so eine Pilgerreise auch die innere Einstellung verändern kann. Diese Erfahrung – tagelang unterwegs zu sein, das Ziel vor Augen zu haben und dann endlich am Tempel, dem Symbol von Gottes Gegenwart anzukommen – diese Erfahrung kann ich durch reine Innerlichkeit nicht so leicht herstellen. Wir verweisen gerne auf die Gefahr, dass solche äußeren Traditionen leicht zum reinen äußeren Schrein verkommen können. Aber schütten wir da nicht manchmal auch das Kind mit dem Bade aus? Kann der Glaube nicht auch manchmal von außen nach innen wachsen?
Bibeltext

Psalm 122 – Von Außen nach Innen
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