Psalm 12 – Früher war alles besser

Hilf, Herr! Die Heiligen haben abgenommen, und gläubig sind wenige unter den Menschenkindern.“ (V.2) Mal abgesehen von der altertümlichen Formulierung könnte der Satz glatt von heute stammen. Das hören wir heute noch oft genug (vorzugsweise von Älteren – aber nicht nur): „Ja, früher war alles besser.“ Das scheint eine allgemeine Lebenserfahrung zu sein, dass man das Gefühl hat, dass früher das Leben einfacher und problemloser war.

Das mag ja manchmal durchaus zu zutreffen. Aber ich hab bei diesem Satz immer ein ungutes Gefühl. Selbst wenn es hundertmal zutrifft (in Wirklichkeit trifft der Satz meist nicht zu), was bringt es über die heutige, schlimme Zeit zu jammern und sich in eine paradiesische Vergangenheit zurück zu träumen? Statt der Vergangenheit hinter her zu jammern, sollten wir lieber das Beste aus der Gegenwart machen. Manchmal kann dieser Satz auch eine bequeme Flucht sein: „Ja, es ist halt nicht mehr so wie früher. Aber wir können ja auch nichts dran ändern. Die Zeiten werden halt immer schlimmer!“ Und dann kann man auch nicht mehr viel anderes tun, als sich in dieses „schlimme Schicksal“ zu ergeben.

Witzig an diesem Psalm ist ja, dass er schon tausende von Jahre alt ist – und schon damals haben die Leute darüber gejammert, dass früher alles besser war. Okay, wenn wir weit genug zurück gehen (ins Paradies), da war tatsächlich alles besser. Schon in alttestamentlichen Zeiten ging es Menschen so, dass sie das Gefühl hatten: „Es werden immer weniger. Immer weniger vertrauen wirklich diesem lebendigen Gott der Bibel.“ Wenn das alles immer so zugetroffen hätte, dann dürfte es schon lange keinen Menschen mehr geben, der an Gott glaubt. Insgesamt gesehen ist es definitiv so, dass die Gläubigen nicht ausgestorben sind. Die Heiligen (= Menschen, die Gott vertrauen) nehmen nicht stetig ab. Es mag Wellenbewegungen geben – aber insgesamt gesehen brauchen wir uns mit dieser Angst vor dem weniger werden nicht verrückt zu machen.

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