Psalm 110 – Ein Psalm für die Zukunft

In der Theologie ist das ein sehr wichtiger und zentraler Psalm. Er spielt nämlich für die Messiaserwartung des Judentums eine wichtige Rolle und wird dann auch im Neuen Testament häufig zitiert. Als ich den Psalm heute gelesen hab, war aber mein erster Gedanke: Ja, der mag wichtig sein, der Psalm – aber mir persönlich sagt er nicht viel… 🙁 Das liegt sicher auch daran, dass er nicht so leicht verständlich ist und dass er teilweise gar nicht mehr ursprünglich erhalten ist (V.3 ist von der Textüberlieferung her im Hebr. so entstellt, dass man heute nur noch vermuten kann, was da gemeint ist).

Aber dann ist der Theologe in mir erwacht 😉 und inzwischen find ich doch einige interessante Aspekte bei dem Psalm. Das wichtigste ist für mich, dass dieser Psalm so deutlich über sich selbst hinaus weist. Er hat wohl ursprünglich etwas mit der Rolle des jüdischen Königs zu tun. Aber die Darstellung des Königs ist dermaßen überhöht, dass doch eigentlich schon den damaligen Schreibern klar gewesen sein muss, dass es hier um mehr geht, als um einen irdischen König.

Da spricht Gott zu einer Person („meinem Herrn“), dass er sich zur Rechten Gottes setzen soll. Der Platz zur Rechten ist der Ehrenplatz und dieser Platz rückt diese Person in himmlische Sphären. Nun ist das im Alten Orient nicht ungewöhnlich, dass Könige vergöttert werden, aber im AT wird sonst immer betont, dass es eben in Israel anders ist, dass Israel nur einen Gott hat und niemand ihm gleich ist. Dann ist da die Verbindung von Königtum und Priestertum. Auch hier betont das AT immer wieder die unterschiedliche Funktion von König und Priester: In Israel gab es beides, König und Hohepriester – aber niemals in einer Person. Nicht verwunderlich, dass die neutestamentlichen Autoren diesen Text ganz selbstverständlich mit dem wahren König und Hohepriester in Verbindung gebracht haben.

Wahrscheinlich konnte dieser Psalm zur Zeit seiner Entstehung gar nicht recht verstanden werden. Erst hunderte von Jahren später sind seine wahren Dimensionen aufgeleuchtet. Das gibt mir Trost für so manche Bibelstellen, die ich heute auch nicht richtig verstehe. Irgendwann im Nachhinein wird vielleicht manches deutlicher werden…Bibeltext

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.