Psalm 109 – Verflucht noch mal!

Ein Psalm voller Flüche. Verselang wir dem Gegner Böses gewünscht. Diese heftigen Flüche werden verständlicher, wenn man der neueren Auslegung folgt: Dort werden die Verse 6-19 als Zitat gesehen. D.h. der Beter wiederholt hier die Flüche, die ihm seine Feinde wünschen. Das erschien mir im ersten Augenblick als ein bequemes „glattbügeln“ des Textes. Aber bei genauerem Hinschauen meine ich, dass diese Auslegung durchaus Sinn macht. Zu diesem Verständnis passt z.B die Aussage von V.4: „Dafür, dass ich sie liebe, feinden sie mich an; ich aber bete.“ Und V.20 kann man gut als Kommentar des Beters zu den Fluchworten der Feinde sehen: „So geschehe denen vom Herrn, die wider mich sind und die Böses reden wider mich.“

Was ich für mich bei diesem nicht ganz einfachen Psalm mitnehme ist die Bitte an Gott in V.28a: „Fluchen sie, so segne du.“ Das ist eine geniale Art und Weise mit Anfeindungen umzugehen. Wenn andere dich fertig machen wollen (soll ja heute auch noch so vorkommen…), dann bitte Gott um Segen. Dabei ist hier wohl an den Segen für sich selbst gedacht. Wenn man die Linie weiter auszieht und auch um Segen für die Feinde bittet, erinnert das an einen gewissen Zimmermann aus Nazareth der mal gesagt haben soll: „Segnet, die euch verfluchen.“ (Lk. 6,28)
Bibeltext

Psalm 109 – Verflucht noch mal!
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