Psalm 107 – Durst

Komisch, spannend, interessant, überraschend und faszinierend, wie einen manchmal ein einzelner Vers aus der Bibel ganz tief in’s Herz trifft. Psalm 107 ist ein schönes, langes Danklied, das vielleicht ursprünglich bei großen Dankfesten in Israel gesungen wurde. Mich hat der V.9 getroffen. Hört sich vielleicht für andere nach nichts besonderem an, aber mich hat er angesprochen: „Dass er sättigt die durstige Seele und die Hungrigen füllt mit Gutem.“

Bei diesem Vers ist es ganz gut Luther oder eine andere eher wörtliche Übersetzung zu lesen. Moderne Übersetzung verflachen an dieser Stelle den Text: Gute Nachricht, Hoffnung für alle und auch Neues Leben sprechen nicht von der Seele, sondern reduzieren den Vers auf den leiblichen Hunger und Durst. Es ist ja richtig, dass im Hebräischen mit der Seele (anders als bei uns heute) auch die leibliche Seite des Menschen gemeint ist. Aber eben auch und nicht ausschließlich. Es geht um Hunger und Durst des Menschen in seiner „leiblich-seelischen Ganzheit“ (so die Stuttgarter Erklärungsbibel dazu).

Ich bin ja jetzt schon ein paar Jahre Christ, aber ich habe immer noch diese durstige Seele. Manchmal kommt es mir so vor, als ob der Durst eher noch zunimmt anstatt weniger zu werden. „Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ (Ps. 42,3) So schön das Leben hier ist – ich hab Durst auf mehr! Ich hab immer noch diese gierige Sehnsucht nach mehr Leben, nach mehr Fülle, nach mehr Gott! In meiner Seele gibt es immer noch irgendwo diese kleine schwarze Lücke, die sich mit nichts füllen lässt, die sich nicht übertünchen lässt und die immer wieder zum Vorschein kommt und fragt: War das alles?
Bibeltext

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