Psalm 101 – Seltsam, seltsam

Nachdem ich den Psalm gestern einfach nur richtig schön fand, trifft mich heute ein Psalm, den ich eher seltsam finde. Die Stuttgarter Erklärungsbibel vermutet, dass dieser Psalm ein Gelöbnis des Königs bei seiner Krönung gewesen sein könnte. Der Beter hebt seine eigene Vorbildlichkeit hervor und verspricht, allen Bösen eins auf den Deckel zu geben (wörtlich: „alle Übeltäter ausrotten“, V.8 – wie auch immer man sich das vorzustellen hat).

Ist irgendwie nicht so meine Welt – aber ich bin ja auch kein König… Und ich find auch etwas seltsam, dass der Beter sich selbst so gut darstellt und dann aber betont, wie sehr ihn die Leute nerven, die stolz und hochmütig sind (V.5b). Warum steht dieser Psalm in der Bibel? Zum Nachbeten ist er ja irgendwie nicht so richtig geeignet – außer wenn man zufällig König ist…

Vielleicht soll der Psalm uns ja deutlich machen, dass es wichtig ist, dass nicht nur Gott für Recht und Ordnung sorgt, sondern dass auch wir uns für Gottes Maßstäbe einsetzen sollen. Auch wenn wir keine Könige und Regenten sind, so können wir doch versuchen, ein „vorbildliches Leben zu führen“ (V.2, Hoffnung für alle) und nicht einfach nur weg schauen, wenn andere Mist bauen und die Bosheit Feste feiert. Das kann dann ganz schön heftig, gewagt und gefährlich sein – mir fällt dazu der Typ ein, der gegen die Bosheit einiger U-Bahn-Prügler Stellung bezogen hat und am Ende selbst zu Tode geprügelt wurde. Er hat sich auch gesagt: „Den Bösen kann ich nicht leiden“ (V.4b) und hat das dann auch gezeigt.
Bibeltext

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