Psalm 10 – Warum verbirgt sich Gott?

In diesem Psalm geht es mehr um die Gottlosen, als um Gott. 10 Verse lang regt sich der Beter darüber auf, dass es den Bösen und Gottlosen so gut geht. Er beschreibt, wie die Habgierigen und Stolzen die Armen und Elenden ausnehmen und zur Strecke bringen. Und dabei fragt er sich ständig: Herr, warum stehst du untätig daneben und schaust nur zu? Warum greifst du nicht ein? Warum verbirgst du dich? (Vgl. dazu V.1)

Klingt irgendwie vertraut, oder?! Sind das nicht dieselben Gedanken, Fragen und Zweifel, die viele Menschen heute beschäftigen? Wir denken manchmal, dass es früher einfacher war, an Gott zu glauben und ihm zu vertrauen. Wir denken, die Leute früher hätten ganz selbstverständlich an Gott geglaubt und die Frage nach dem „Warum“ (lässt Gott das Leid zu) sei eine moderne Erfindung.

Ist es aber nicht. Schon zu alttestamentlichen Zeiten haben sich die Menschen diese Frage gestellt: Warum nur lässt Gott das alles zu? Warum greift er nicht ein? Warum geht es oft so ungerecht in unserer Welt zu? Viele ziehen heute die Konsequenz und glauben gar nicht mehr an den Gott der Bibel. Und es stimmt: Dieser grundsätzliche Zweifel an Gottes Existenz ist dem alttestamentlichen Menschen ziemlich fremd. Auf so eine abstruse Idee kommt er gar nicht.

Aber er zweifelt und fragt auch. Er kann seinen Gott oft nicht verstehen. Er sieht die Ungerechtigkeit, kann nur noch den Kopf schütteln und sich fragen, wo Gott denn bleibt, warum er nicht eingreift. Und er hat letztendlich keine Antworten. Aber anstatt sich resigniert in das Nichts des Atheismus fallen zu lassen, lässt er sich in Gottes Hand fallen. Er weiß: Auch wenn ich’s nicht sehen und erkennen kann: „Das Verlangen der Elenden hörst du, Herr!“ (V.17)

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