Philipper 4, 8-9 Menschliche Moral

Das mag ich bei Paulus: dass er trotz aller Radikalität und theologischer Schärfe dennoch differenziert bleibt und nicht in plattes schwarz-weiß-Denken verfällt. In Kap. 3 tut Paulus ja all seine frühere pharisäische Frömmigkeit als „Dreck“ ab (3,8). Damit wendet er sich gegen alle menschliche Religion die versucht, sich selbst zu erlösen anstatt auf die Gnade Gottes zu vertrauen.

In diesem Abschnitt hier zählt er jedoch ganz weltliche Tugenden und die ganz menschliche Moral auch für Christen als vorbildhaft auf. Paulus zählt hier Begriffe auf, die auch in hellenistischen Tugendkatalogen oder in jüdischen Schriften auftauchen. Weltliche Ethik ist nicht an sich schlecht, nein im Gegenteil sie ist sogar sehr gut und wertvoll – solange wir uns dadurch nicht das Heil verdienen wollen.

Paulus wendet sich gegen menschliche Religion, er schüttet aber nicht das Kind mit dem Bade aus. Er erkennt, dass im Bereich der Ethik Menschen sehr wohl auch ohne Gott das Gute und Richtige erkennen können und danach handeln können. Das deckt sich ja auch mit unseren Erfahrungen. Für mich ist es manchmal beschämend festzustellen, wie manche Nicht-Christen nach einem viel höheren moralischen Standard leben als viele Christen. Da haben wir Christen kein Grund uns selbstgerecht darüber zu erheben. Im Gegenteil: Paulus fordert uns dazu auf, diesen Tugenden nachzueifern.
Bibeltext

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2 Gedanken zu „Philipper 4, 8-9 Menschliche Moral“

  1. …wie wahr wie wahr, lieber Jochen!

    wer z.B. mal als völlig Fremder die Gastfreundschaft von Hindus oder besonders von Muslimen erleben durfte, der könnte gelegentl. im Boden des „christlichen Abendlandes“ versinken…

    Gruß + Segen

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