Philipper 2, 12-13 Unlogische Weisheit

Das ist definit eine meiner Lieblingsstellen in der Bibel. So herrlich unlogisch (nach den Maßstäben unserer menschlichen Logik) und doch so voller göttlicher Weisheit und Leben. Paulus sagt hier auf der einen Seite: „Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.“ (V.12) Und das ist kein Übersetzungsfehler oder missverständlich. Vom Griechischen her kann man sogar noch extremer übersetzen: „Bewirkt euer Heil.“ Wenn hier nur dieser Satz stehen würde, dann müssten wir daran verzweifeln. Paulus sagt aber nun weiter: „Denn Gott ist’s der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ (V.13) Damit macht er klar: Wir können unser Heil nur bewirken, weil es uns von Gott geschenkt wird.

Eigentlich geht das gar nicht: Entweder wir müssen uns unser Heil selbst verdienen, oder es wird uns von Gott geschenkt. Beides zugleich ist unlogisch, das geht nicht. Wir können hier auch nicht anfangen zu rechnen und sagen: Gott kommt uns 99 Schritte entgegen, aber den einen Schritt, den müssen wir selbst gehen (wenn wir so rechnen, dann landen wir wieder bei der Werkgerechtigkeit). Nein, es gilt beides: Gott kommt uns 100 Schritte entgegen und trotzdem müssen wir mit „Furcht und Zittern“ (d.h. im Wissen um die völlige Abhängigkeit von Gott) auch ihm 100 Schritte entgegen gehen.Aber nicht weil wir das aus eigener Kraft könnten, sondern weil Gott uns die Kraft und Fähigkeit dazu schenkt.

Das ist göttliche Weisheit, die sich aber genau mit meiner Glaubenserfahrung deckt: Gott schenkt uns alles, wirklich alles! Aber er verlangt auch unseren ganzen Einsatz, unser ganzes Herz. Wir sollen Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all unseren Kräften lieben (Mk.12,30). Dass uns Gott alles schenkt und dass er zugleich all unseren Einsatz verlangt, ist nur ein logisch-gedanklicher Widerspruch, in der Wirklichkeit des Glaubens ist es kein Gegensatz, sondern es ist gelebte Gnade.
Bibeltext

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