Peter Dyckhoff: Sonnenuntergänge

Der katholische Pfarrer Peter Dyckhoff berichtet in diesem Buch von seiner jahrzehntelanger Erfahrung im Umgang mit Sterbenden und Trauernden. Er gibt keine direkten Ratschläge oder durchdringt das Themenfeld auf theologische Weise, sondern er erzählt von vielen unterschiedlichen Erlebnissen. An vielen Einzelbeispielen wird deutlich, was sterbende Menschen oder deren Angehörige beschäftigt.

Trotz des nicht gerade einfachen Themas ist es ein spannendes und gut zu lesendes Buch. Dyckhoff versteht es, lebendig zu erzählen. Was mir an dem Buch vor allem gefallen hat: dem Autor geht es darum, dass wir uns mit dem Tod und dem Sterben auseinander setzen. Jeden von uns wird es treffen. Aber niemand redet darüber oder macht sich darüber Gedanken. In unserer modernen Welt ist der Tod eines der letzten großen Tabuthemen. Heute zählt nur das Leben. Aber der Tod gehört dazu. Wenn wir ihn ein ganzes Leben lang ausblenden, dann wird es am Ende oft schwierig, dieser Realität ins Auge zu schauen und damit angemessen umzugehen.

Dyckhoff ist katholischer Theologe und das wird in seinen Erzählungen auch deutlich. Mit so manchen Vorstellungen habe ich meine Probleme. Er geht mit der katholischen Tradition ganz selbstverständlich davon aus, dass man für die Toten beten kann und dass es sogar „Kontaktmöglichkeiten“ zwischen Lebenden und Toten gibt. Da bin ich aus evangelischer Sicht sehr viel zurückhaltender.

Aber auch für evangelische Christen ist es ein bereichernder Erfahrungsschatz, den der Autor da mitteilt. Er regt an, sich selbst über den Tod und den eigenen Umgang mit dem Sterben zu machen. Durch seine oft sehr warmherzigen Erzählungen senkt er die Angstschwelle vor diesem Thema. Er hat mir wieder deutlich gemacht, dass es auch und gerade in heutiger Zeit wichtig ist, wieder von einer „ars moriendi“ (der Kunst des Sterbens) zu reden.

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