Paulo Coelho: Die Hexe von Portobello

Schade, hab schon einige Bücher von Coelho gelesen und fand sie teilweise richtig gut. Dieses Buch hat mich enttäuscht. Zum einen rein handwerklich: Die Geschichte hat mich nicht so richtig überzeugt, die Personen bleiben flach, das ganze berührte mich nicht wirklich. Zum anderen: In diesem Buch driftet Coelho noch viel mehr als in anderen in die Esoterik-Ecke und versumpft darin.

Von der Grundidee her ist die Geschichte gar nicht schlecht und hat ihre Reize. Es geht um eine moderne „Hexe“ und wie unsere heutige Welt auf sie reagieren würde. Eine junge, spirituell suchende Frau wird von der traditionellen Religion (von Coelho ziemlich platt und eindimensional gezeichnete Priester und Pfarrer) enttäuscht. Sie entdeckt in sich die Muttergottheit und wird auf ihrem spirituellen Weg von einer „Meisterin“ begleitet. Parallel dazu sucht und findet sie ihre leibliche Mutter, die sie als Baby zur Adoption freigegeben hat. Es geht also um eine Suche nach Gott und nach der eigenen Herkunft und Identität. Sie entwickelt bestimmte Rituale und versucht, andere Menschen dazu zu ermutigen, die Muttergottheit in sich selbst zu entdecken. Dabei stößt sie neben Zustimmung und Begeisterung auch auf Ablehnung, weil die Zeit für diese neue esoterische Religion einfach noch nicht reif sei.

Daraus hätte man durchaus eine interessante Charakterstudie über einen Menschen machen können, der Religion auf andere und neue Weise versucht zu leben. Das wäre dann auch für mich als Christ und Theologe interessanter gewesen (auch wenn ich inhaltlich zum Thema Religion völlig anders denke). Aber von der inneren Entwicklung der Hauptperson wird wenig deutlich, das bleibt alles irgendwie blutleer. Es scheint, als ob Coelho die Rahmenhandlung nur gebraucht, um irgendwelche esoterischen New-Age-Predigten an den Leser zu bringen.

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