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Wie ein Windhauch … ein sanftes, stilles Sausen, so ist Gott in meinem Leben. Wie ein windhauch … vergänglich und flüchtig, sind all meine Worte und Gedanken.
— ein blog, der vergeblich versucht, den windhauch Gottes zu fangen —

Anna Gavalda: Ein geschenkter Tag

Ein schönes kleines Büchlein! Manche mögen es vielleicht als ein bisschen rührseelig und spannungsarm empfinden. Aber mich hat das nicht gestört, ich hab es gern gelesen.

Es geht um vier Geschwister, die sich anlässlich einer Hochzeit in der Verwandtschaft wieder einmal treffen und noch einmal in die Welt ihrer gemeinsamen Kindheit eintauchen. Es ist so etwas wie der Abschied von dieser Vergangenheit. Ein melancholischer Glanz liegt über der Begegnung. Aber zugleich auch ein tiefe Zuneigung und Verständnis füreinander.

Dass das Ganze nicht völlig ins Kitschige abrutscht liegt an der Erzählkunst Gavaldas. Sie erschafft Charaktere mit Ecken und Kanten. Sie würzt die großen Gefühle mit Witz und Ironie. Ich mag ihre Art zu erzählen und ihre Unbekümmertheit, mit der sie sich auch an emotionsgeladene Geschichten heranwagt. Ich glaube nicht, dass wir in unserer Welt zu viel Gefühl haben – ja, wir haben zu viele oberflächliche und platte Gefühle, aber wer redet schon über das, was sein Herz wirklich bewegt, was ihm die Tränen in die Augen treibt, was ihn tief im Innern schmerzt oder zum jubeln bringt?

Weg ist er noch lange nicht…

Vor ein paar Wochen habe ich ja berichtet, dass mein Gehirntumor ganz entfernt werden konnte (Weg ist er!). Letzte Woche war jetzt noch die richtige Nachuntersuchung in Tübingen (bei der vorigen Untersuchung wurden nur die Aufnahmen gemacht, mit einer Einschätzung des Radiologen). Die Experten in Tübingen konnten auf den Bildern jetzt doch noch einen kleinen Rest entdecken. “Im Millimeterbereich”. Das haben sie ja auch schon gleich nach der Operation gesagt, von daher hab ich eigentlich auch damit gerechnet.

Trotzdem ist es gefühlsmäßig ein kleiner Dämpfer, nachdem ich gehofft hatte, dass völlig überraschend und unerwartet, doch alles verschwunden sei… :( Naja, es geht weiter. Dieser kleine Rest muss regelmäßig beobachtet werden und dann evtl. mit gezielter Bestrahlung aus der Welt geräumt werden. Solange sich die Bestrahlung vermeiden lässt, ist es wohl vernünftig, das hinaus zu schieben. Niemand kann sagen, ob dieser Rest wieder wachsen wird, ob er völlig verschwindet, oder ob er sich gar nicht rührt. Die nächste Untersuchung ist dann in sechs Monaten.

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Kohelet 2, 12-23 Düstere Gedanken

Jetzt wird’s so langsam deprimierend: Nachdem der Prediger festgestellt hat, dass Geld und Macht nicht glücklich macht, wendet er sich nun der Weisheit zu. Er stellt zwar fest, dass Weisheit besser ist als Torheit (V.13), aber letztendlich bringt auch die Weisheit nichts Bleibendes. “Darum verdross es mich zu leben, denn es war mir zuwider, was unter der Sonne geschieht, dass alles eitel ist und Haschen nach Wind.” (V.17)

Unglaublich, dass solche düstere Überlegungen in der Bibel stehen! Dass Egozentrik, Geldgier und Vergnügungssucht nicht im Sinne der Bibel sind, das dürfte auch jedem Atheisten klar sein. Dass aber auch die Weisheit so kritisch gesehen wird, das ist gewagt. In anderen Teilen der Bibel wird die Weisheit sehr positiv dargestellt. In Sprüche 8,22-31 spricht z.B. die personifizierte Weisheit davon, dass sie das erste Geschöpf Gottes sei, ja dass sie sogar von Gott geboren sei (Spr. 8,24)!

Selbst das Streben nach dieser göttlichen Weisheit ist für den Prediger letztendlich belanglos und unwichtig. Die Volxbibel bringt dies sehr drastisch, aber durchaus treffend, auf den Punkt: “Nichts hat wirklich Bedeutung im Leben, es ist so, als würdest du versuchen einen Furz einzufangen.” (V.17) Luther drückt es etwas vornehmer aus: Alles ist “ein Haschen nach Wind.” Mal sehen, ob der Prediger aus diesen düsteren Gedanken noch irgendwie heraus kommt, ob er doch noch irgendeinen Sinn im Leben findet…

| Bibeltext |

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Kohelet 2, 1-11 Die große Konsumlüge

Wir sind nicht wirklich schlauer geworden. Schon vor tausenden von Jahren hat der Prediger festgestellt, dass Reichtum nicht glücklich macht. Großartige Immobilien und weitläufige Grundstücke, ein Heer von Dienern und Wellnessassistenten, Kohle bis zum Abwinken, Wein, Weib und Gesang,… all das stellt vielleicht für einen kurzen Augenblick Befriedigung her – macht aber letztendlich auch nicht glücklich.

Das wissen wir ja alle und doch fallen wir immer wieder auf diese große Konsumlüge herein, die es in ähnlicher Weise wohl schon damals gegeben hatte. Immer wieder beschleicht uns der Gedanke: Wenn ich nur von allem ein bisschen mehr hätte, dann, ja dann, könnte ich glücklich sein. Der Prediger sagt: Das ist alles eitel und vergänglich, das ist genauso sinnlos wie der Versuch den Wind einzufangen.
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Kohelet 1, 12-18 Weisheit macht unglücklich

Alles ist eitel [häbäl: vergänglicher Hauch/Windhauch/Nichtigkeit] und Haschen nach Wind (V.14). Ja sogar die Weisheit – also das Streben nach Einsicht in die göttliche Ordnung der Welt – ist ein Haschen nach Wind (V.17b). Viel Weisheit bringt nicht mehr Glück, sondern mehr Leiden (V.18). Die Stuttgarter Erklärungsbibel schreibt dazu: “Bei aller Weisheit wird der Mensch nicht glücklicher; je mehr er weiß, desto schwieriger wird das Leben.”

Mir ist dazu David Foster Wallace eingefallen. Er war ein genialer Denker, Philosoph und Schriftsteller. Er hat ein gigantisches, von allen Literaturkritikern hochgelobtes Buch geschrieben: “Unendlicher Spaß”. Ich hab nur die ersten 150 Seiten von insgesamt über 1500 Seiten geschafft. Man merkt bei ihm, dass er unendlich viel weiß, dass er sehr gebildet ist und einen sehr scharfsichtigen Blick auf die Welt, seine Mitmenschen und auch sich selbst hat. Aber all seine Begabungen und all seine Weisheit hat ihn nicht glücklicher gemacht. Er hat sich 2008 das Leben genommen. Vielleicht ist das wirklich was dran: Ein Mensch mit weniger Wissen kann unbeschwerter und unbekümmerter durchs Leben gehn.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob es um menschliche Weisheit oder um Weisheit im biblischen Sinn geht. Aber um so erschreckender sind die Aussagen des Kohelet: Selbst biblische Weisheit, die wirklich nach Gott sucht, macht letztendlich nicht glücklich! Stimmt das?! Kann man das so pauschal sagen?! Ich weiß nicht… Da fehlt mir die Weisheit, um das wirklich zu beurteilen. ;)
Bibeltext

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Kohelet 1, 1-11 Alles ist Windhauch!

Ich liebe die Vielfalt der Bibel. Sie ist kein durch systematisiertes dogmatisches Lehrbuch, sondern sie ist in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit ein “Lebensbuch”, das der Vielfalt und Unterschiedlichkeit des Lebens entspricht. Das Buch Kohelet unterscheidet sich deutlich von vielen anderen biblischen Büchern  (Kohelet ist die hebräische Bezeichnung, sie wird im Deutschen üblicherweise mit “Prediger” wieder gegeben; vom Wortstamm her [versammeln] meint es jemand, der eine Versammlung einberuft oder leitet).

Das Buch hat eine sehr skeptische und nüchterne Grundhaltung. Da ist nichts zu spüren vom Optimismus der Propheten, die damit rechnen, dass Gott einmal alles erneuern wird. Da ist nichts zu spüren von der üblichen Zuversicht der weisheitlichen Schriften der Bibel, dass Gott gutes Handeln auch mit einem guten Leben belohnen wird. Erst recht nicht taucht die neutestamentliche Hoffnung auf, dass Gott über den Tod hinaus Leben schenkt.

Gleich zu Beginn lesen wir das Fazit des Predigers: “Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel.” Hinter dem Wort “eitel” steckt das hebräische Wort “häbäl”. Man kann es übersetzen mit: vergänglicher Hauch/Windhauch(!!!)/Nichtigkeit. Man könnte sagen: Wenn man die Welt anschaut, dann bleibt am Ende nichts Bleibendes, kein tieferer Sinn. Es vergeht alles wie ein Windhauch und am Ende bleibt nichts Greifbares. Auf die Spitze getrieben: Es ist sowieso alles egal!

Erstaunlich, dass es ein Buch mit solchen Aussagen geschafft hat, in den Kanon der Bibel zu kommen. Diese Einstellung klingt geradezu neuzeitlich und modern. Erstaunlich, dass man mit dieser Einstellung trotzdem noch an Gott festhalten kann. Wie das geht werden wir im Verlauf des Buches noch sehen.
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Philipper 4, 14-23 Glaube und Geld

Die Gemeinde in Philippi hat Paulus mit einer Spende unterstützt. Das hat sie wohl vorher auch schon zwei mal getan (V.16). Paulus freut sich darüber. Es ist ihm nicht peinlich, dass er jetzt Überfluss und Fülle hat (V.18), sondern er genießt es. Dabei geht es ihm nicht nur um sich, sondern er sieht die Gabe der Gemeinde als eine “Frucht”, die den Gebern “reichlich angerechnet” wird (V.17).

Paulus bewegt sich hier auf heiklem Gebiet. Sehr diplomatisch drückt er einerseits seine Dankbarkeit aus und macht den Phlippern deutlich, dass es ihnen auch selbst etwas bringt, wenn sie großzügig sind. Andererseits überspannt er den Bogen auch nicht indem versucht, aus der Spendenbereitschaft der Gemeinde ein gutes Geschäft zu machen. Wir erleben es ja bis heute wie bei dem Thema Glaube und Geld, manche Kirchen, christlichen Gemeinschaften oder einzelne Leiterpersönlichkeiten auf die schiefe Bahn geraten.

Man braucht die Worte des Paulus nur ein wenig in eine bestimmte Richtung zu überspitzen, um ein prima religiöses Geschäftsmodell zu haben, um Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. “Je mehr ihr mir gebt, um so größer wird eure Frucht bei Gott sein.” Andererseits bleibt es ja trotz aller Gefahren eine wahre Erfahrung: Wer großzügig schenken kann, der kann erleben, wie er selbst dadurch auch beschenkt wird, wie er frei wird von der Macht des Mammon.
Bibeltext

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