weit weg

Herr, bin ich weit weg von dir? Oder bist du weit weg von mir? Warum ist mein Glaube so seltsam unwirklich, unreal, mehr Schein als Sein? Wenn ich deine Nähe spüre, spüre ich dann wirklich dich, oder nur mein religiöses Gefühl?

Ich mag es, dir zu singen und Musik zu machen. Es tut mir gut, es reinigt mich, es richtet mich neu aus. Aber viele Texte scheinen so weit weg. So übertrieben. So fern meiner Realität. Wie kann ich davon singen, dass ich dich liebe, wenn es eigentlich gar nicht so ist? Wenn du mir eigentlich gar nicht wichtig bist? Wenn sich mein Herz eben nicht nach dir sehnt, sondern nur nach Ruhe, Frieden, Liebe, Anerkennung? Wenn ich mich nicht um dich drehe, sondern immer wieder nur um mich selbst?

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Jesaja 6 – Das andere Gesicht Gottes

Wir lieben ihn – den lieben Gott. Aber was machen wir mit dem anderen Gesicht Gottes? Das Gesicht, das nicht immer freundlich lächelt. Das Gesicht, das zornig und zerstörerisch auf uns verlorene Menschen herabschaut.

Ich lese zur Zeit das Buch Jesaja. Manches ist wohlvertraut, eingängig und man hört es gern. Anderes ist fremd und abstoßend. In Kap. 6 wird erzählt wie Jesaja geradezu umgehauen wird von der Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes. Schön! Beeindruckend! Himmlisch! „Heilig, heilig, heilig ist der Herrr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“ (Jes. 6,3).

Weniger himmlisch und schön ist die Botschaft, die Jesaja weitergeben muss: Verstockung, Taubheit, Blindheit, Zerstörung, Tod, fast die völlige Auslöschung. Nur ein „Stumpf“ wird übrigbleiben, ein kleiner Rest, ein heiliger Same. Na toll!!! Ist Gott wirklich so? So gnadenlos? So zerstörerisch? Oder sind das nur eindringliche Warnungen, die eigentlich nicht so gemeint sind?

Die Verse über Gottes Güte, Gnade, Barmherzigkeit, Freundlichkeit und Liebe, die suchen wir uns gerne heraus und nehmen sie in Anspruch. Und auch ich rede ja lieber vom stillen, sanften Sausen, als vom zornigen Donnern Gottes. Aber wie ist er wirklich? Können wir diese anderen Stellen einfach ausblenden? Oder relativieren?

Man kann es sich einfach machen und trennen zwischen Sünder und Sünde: Gott haßt die Sünde, aber er liebt den Sünder. Aber wenn man den Worten Jesajas folgt, dann geht der Sünder eben auch mit drauf. Nur ein kleiner, heiliger Rest bleibt übrig… Was tun mit dem anderen Gesicht Gottes?

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Bruder Lorenz, die zweite…

Bruder Lorenz spricht immer wieder von der völligen Hingabe an Gott. Wir sollten uns nichts anderes wünschen, als den Willen Gottes zu erfüllen. Wir sollen uns um nichts anders kümmern als darum, Gott zu lieben.

Wie soll das gehen??? Ich kann das nicht! Ich habe (auch als langjähriger Christ) Angst davor! Und es geht ganz einfach nicht, eine hoffnungslose Überforderung… Jeden Augenblick nur für Gott da sein, nichts selbst wollen, immer nur an ihn denken,…

Aber Bruder Lorenz gibt auch Hinweise, wie es vielleicht doch – zumindest ansatzweise – gehen kann: „Unsere Heiligung besteht nicht darin, dass wir etwas anderes tun, sondern darin, dass wir um Gottes willen verrichten, was wir für gewöhnlich um unserer selbst willen tun.“ (R.Deichgräber: All meine Gedanken sind bei dir, S.54)

Nichts anderes tun, sondern das was ich sowieso tue für Gott tun…

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Bruder Lorenz

Gestern habe ich angefangen, ein Buch über „Bruder Lorenz“ zu lesen (Reinhard Deichgräber: All meine Gedanken sind bei dir: In Gottes Gegenwart leben). Habe schon manche kurze Artikel über ihn gelesen, hab mich aber nicht wirklich für ihn interessiert. Bruder Lorenz war ein Mönch, der im 17. Jh. gelebt hatte und der durch seinen einfachen Glauben und seine besondere Nähe zu Gott viele Menschen fasziniert hat. Er scheint bei vielen Christen gerade in Mode zu sein (deswegen war ich skeptisch: bei Modeerscheinungen – und seien sie noch so christlich – bin ich erst mal misstrauisch).

Ich weiß noch nicht, ob ich wirklich viel mit diesem Bruder Lorenz anfangen kann, aber am Anfang des Buches standen einige Zitate, die mich umgehauen haben. Nur wenige Worte. Aber die haben mich getroffen.

Ein Beispiel: „Diejenigen, die vom Wind des Heiligen Geistes getrieben werden, segeln selbst im Schlaf noch weiter.“ (R.Deichgräber: All meine Gedanken sind bei dir, S. 7) Genial!!! Genau das möchte ich: Mich von Gott treiben lassen und selbst im Schlaf – dann wenn ich gar nichts mehr tue und tun kann, selbst dann – noch von Gottes Geist getragen und weiter gebracht werden. Ja, segeln müsste man können. Im Schlaf mit Segeln mehr erreichen, als andere bei Tag mit Höchstanstrengung durch Rudern versuchen zu erreichen. Sich vom „windhauch“ Gottes treiben lassen…

Ein paar weitere Zitate:

  • „Man wird nicht im Schnellverfahren heilig.“ – Auch wenn ich das manchmal gerne so hätte…
  • „Die heiligste, gewöhnlichste und nötigste Übung im geistlichen Leben ist die Wahrnehmung der Gegenwart Gottes.“ – Und gerade das ist so schwierig, weil so viel anderes sooo wichtig und dringend erscheint, weil uns die Konzentration fehlt, weil wir immer an alles und nichts denken.
  • „Die feste Gewohnheit wird nur unter Schmerzen in uns zuwege gebracht.“ – Für ein Leben in der Gegenwart Gottes sind solche Gewohnheiten überlebensnotwendig. Aber wir leben in einer Zeit, die Schmerzen meidet, die Schmerzen verhindern will, die schmerzfrei genießen möchte…
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