OpenSUSE 11.3 KDE

Am 15. Juni erschien die Version 11.3 der Linux Distribution OpenSUSE. Ich hab OpenSUSE wenige Tage nach Erscheinen zum ausprobieren installiert und seitdem in meinem Alltagsgebrauch getestet. Ich muss sagen: Ich bin sehr zufrieden. Das ist wieder ein sehr solides und verbessertes Release von OpenSUSE.

Der OpenSUSE 11.3 KDE Desktop
Der OpenSUSE 11.3 KDE Desktop

OpenSUSE ist eine der ältesten bestehenden Linux-Distributionen. Seit Jahren arbeiten die Entwickler sehr beständig und zuverlässig an der Verbesserung und Weiterentwicklung. Man merkt bei OpenSUSE, dass es eine sehr ausgereifte Distribution ist. OpenSUSe bemüht sich, den verschiedensten Ansprüchen zu genügen. Es möchte einerseits Einsteigerfreundlich sein, andererseits den Profis genügend Möglichkeiten zu individuellen Einstellungen zu geben. So eine Art eierlegende Wollmilchsau. Das ist einerseits eine Stärke von OpenSUse, kann aber auch ein Schwachpunkt sein. Einerseits ist OpenSUSE in vielen Bereichen gut, aber es gibt für bestimmte Anwendungsgebiete gibt es andere Distributionen, die besser sind. Z.B. ist OpenSUSE auch für Einsteiger eine gute Distribution. Aber es gibt andere Distributionen, die da besser sind (vieles in OpenSUSE wirkt überladen und schwerfällig). Aber andererseits ist es auch faszinierend wie OpenSUSE es schafft verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden.

Ich habe die KDE-Live Version von OpenSUSE installiert. Hier wird KDE SC 4.4.4 verwendet. Als Kernel wird die Version 2.6.34 verwendet. Die Installation wirkt etwas umständlich und schwerfällig, ist aber solide. Es werden viele optionale Einstellungen angeboten, die meisten Anwender werden mit den voreingestellten Vorschlägen gut zurecht kommen. Meine Hardware wurde sehr gut erkannt, alles funktionierte auf Anhieb (siehe aber unten den Abschnitt zu den NVIDIA-Treibern).

Was mir gefällt

OpenSUSE ist noch einmal spürbar schneller geworden. Die Entwickler haben keine großen Neuerungen eingebaut, sondern viel an der Performance gearbeitet. Für mich ist OpenSUSE eine der besten KDE-Distributionen. KDE fühlt sich hier leicht und schnell an. Auch das Paketmanagement mit zypper ist noch einmal flüssiger geworden (wobei es noch nicht an apt-get von debian heranreicht). Der Boot-Vorgang ist für einen KDE-Desktop erstaunlich schnell.

Gefallen hat mir auch der niedrige Speicherverbrauch des OpenSUSE KDE-Desktops. Von den Distributionen, die ich bis jetzt mit KDE 4 ausprobiert habe, war OpenSUSE hier eine der besten. Mit wenigen zusätzlichen Einstellungen ist es mir sogar gelungen den Speicherverbrauch geringer zu halten, als bei dem von Haus aus spartanischen Archlinux (im Gegensatz z.B. zu dem neuen Mandriva, bei dem bei einer normalen Installation schon in den Grundeinstellungen jede Menge überflüssiges und speicherfressendes Zeugs gestartet wird).

Das System läuft sehr stabil, ich habe bis jetzt noch keine Probleme gehabt.

Was mir nicht gefällt

Mit der Installation des Grub-Bootloaders hatte ich schon in der vorherigen Version Probleme gehabt. Ich habe mehrere Linux-Distributionen installiert und möchte daher den Bootloader nicht in den MBR schreiben, sondern in die jeweilige Startpartition der Distribution. Die Starteinträge in Grub verändere ich dann von Hand. Mit den meisten Distributionen geht das problemlos. Bei OpenSUSE hab ich noch nicht herausgefunden, wie das geht. Wahrscheinlich geht es schon irgendwie, aber wenn, dann ist diese Option nicht intuitiv zu finden. Bei mir war es entweder so, dass OpenSUSE mit den MBR überschrieben hat oder ihn gelöscht hat.

Als Standardtreiber für NVIDIA-Karten werden nun auch von OpenSUSE die nouveau-Treiber verwendet. Das ist ja an sich okay, aber mit 11.3 ist das Installieren der proprietären Treiber noch einmal komplizierter geworden. Um diese zu installieren, muss man vorher das Kernel Mode Setting deaktivieren (vgl. hier>>>). Erst danach kann man die 1-Klick-Installation verwenden. Ärgerlich für mich war auch, dass die vorkompilierten Treiber wenige Tage nach Erscheinen noch nicht vorhanden waren (inzwischen sind sie erschienen) und ich so eine manuelle Installation der NVDIA-Treiber vornehmen musste. Wenn man die schönen Arbeitsflächeneffekte von KDE 4 nützen will oder ab und zu mal ein grafisch anspruchsvolles Spiel spielen will, braucht man nach wie vor die proprietären Treiber, da die 3D-Unterstützung der nouveau-Treiber noch experimentell ist.

Seltsam fand ich auch das erste Update, nach der Installation der KDE-Live Version. Da wurden jede Menge Sprachpakete und andere Pakete automatisch nachinstalliert. Darunter auch so unsinnige Pakete wie die Datei für die russische Hilfe in OpenOffie (siehe Screenshot „Update“ unten).

Fazit

OpenSUSE ist eine geniale Allround-Distribution, die in der neuen Version noch einmal besser geworden ist (vor allem im Performancebereich). Eine der besten KDE 4 Distributionen. Allerdings reicht es für meine persönlichen Geschmack und meine Einsatzzwecke noch nicht ganz an Archlinux, Debian-Testing oder Ubuntu heran.

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