Opensuse 11.2 – Mandriva 2010 – Fedora 12

Neben ubuntu 9.10 gab es im Herbst drei weitere große Linux-Distributionen, die eine neue Version herausgebracht haben: Opensuse 11.2, Mandriva 2010 und Fedora 12. Ich hab alle drei Systeme jeweils mindestens eine Woche auf meinem Computer gehabt und im normalen Alltagsbetrieb getestet. Hier nun meine Eindrücke, wie sich die drei Distris auf meiner Hardware und bei meinen täglichen Anforderungen geschlagen haben. Das ist natürlich kein ausführlicher Test, sondern eher ein persönliches Vergleichsfazit.

Opensuse 11.2

OpenSuse 11.2 - Desktop (KDE)

Was mir gefällt

Tolles Design! Von den drei Distris fand ich opensuse am ansprechendsten. Auch einzelne Anwendungen, wie. z.B. Firefox sind gut in’s Design integriert. Da ist insgesamt alles sehr stimmig. Das gilt sowohl für den KDE 4 Desktop, als auch für das eigenständige Design der Gnome-Version von Opensuse 11.2. Die Arbeitsgeschwindigkeit und die Stabilität ist gut. Noch vor einigen Jahren wirkte Suse eher behäbig und etwas “übergewichtig”. Daran wurde gut gearbeitet. Auch die Geschwindigkeit der Paketverwaltung wurde merklich beschleunigt (erreicht aber apt-get und Synaptic auf Debian basierten Systemen nicht). Toll ist auch die Möglichkeit von 1-Klick-Installation über das Software-Portal von Opensuse. Hier findet man jede Menge Software, die in den offiziellen Repos nicht drin ist und man kann sie bequem mit einigen Klicks installieren.

Was mir nicht so gefällt

Ich habe Opensuse mit der KDE Live CD installiert. Seltsam war, dass das System nach der Installation auf Englisch war – obwohl ich die Sprachauswahl auf deutsch gestellt hatte. Etwas ärgerlich war bei mir auch, dass bei dem ersten Versuch zusätzliche Software über die Repos zu installieren eine riesige Menge von anderen Software Paketen aktualisiert oder heruntergeladen wurden (auch solch unnötigen Dinge wie z.B. myspell Wörterbücher für Spanisch oder Polnisch…). Schwierigkeiten hab ich auch mit mit den mp3-Codecs gehabt. Ich benutze auch unter KDE gerne den Musikplayer Rhythmbox (weil er nicht so aufgebläht ist und so viele Ressourcen verbraucht wie Amarok). Trotz 1-Klick-Installation der Codecs wollte das nicht laufen.

Die Vielzahl von Opensuse Repos ist einerseits eine schöne Sache. Ich kann z.B. durch ein zusätzliches Repo immer meine KDE-Version aktuell halten. Aber es kann auch zur Gefahr für die Systemstabilität werden. Wenn viele unterschiedliche Repos eingebunden sind, kann es zu manchen Abhängigkeitsproblemen kommen, die nicht mehr so einfach aufzulösen sind.

Insgesamt machte Opensuse auf mich einen etwas unausgereiften Eindruck. Es hat noch so manche Ecken und Kanten. Manche Kleinigkeiten funktionieren einfach noch nicht so richtig und an manchen Stellen fehlt die Feinabstimmung. Schade! Seit Jahren probiere ich immer wieder mal Opensuse (oder vorher SUSE) und mir geht es immer so, dass ich es eigentlich gut finden möchte (u.a. weil es seinen Ursprung in Deutschland hat und weil ich die Balance zwischen Einsteigerfreundlichkeit und trotzdem vielen Einstellungsmöglichen toll finde). Ich war nie richtig enttäuscht von den Releases, aber ich hatte auch nie das Gefühl: Wow, das ist so gut und überzeugend, dass es als Hauptsystem auf meinem Computer bleiben muss.

Mandriva 2010

Mandriva 2010 - Desktop (KDE)

Was mir gefällt

Von der Installation und Einrichtung her war das für mich die problemloseste der drei Distris. Ich hab die Mandriva-One-KDE-CD zur Installation benutzt. Der proprietären Grafiktreiber von NVIDIA wurde von Anfang an richtig mit installiert und auch der Adobe Flashplayer funktionierte von Anfang an (wer proprietäre Software vermeiden möchte, kann sich auch die “Free”-Version installieren). Auch sonst macht das System einen sehr ausgereiften Eindruck.

Was mir nicht so gefällt

Das Design finde ich (v.a. im Vergleich zu Opensuse) zu langweilig. Die Hauptfarbe von Mandriva ist ja Blau. Und blau ist eigentlich eine eher seriöse Farbe. Aber bei Mandriva geht mir das zu sehr ins knallige Blau und dann noch im Boot-Splash und im Desktop-Wallpaper manche Pastelltöne… Nee, nicht mein Fall. Mir persönlich gefällt auch nicht, dass Mandriva von den Grundeinstellungen her recht viele Systemdienste aktiviert. Das heißt, dass schon bei einer normalen Grundinstallation recht viel Speicher verbraucht wird.

Ein nerviger Bug (zumindest auf meinem System) ist, dass die Softwareverwaltung beim Installieren manchmal die Repos nicht findet. Wenn ich ein Software Paket installiere und danach noch etwas anderes installieren möchte, meldet Mandriva in schöner Regelmäßigkeit, dass es die Repos nicht finden kann. Wenn man die Softwareverwaltung dann schließt und neu startet geht es dann wieder…

Fedora 12

Mhm… Schwierig, Fedora mit den anderen beiden zu vergleichen. Fedora hat nämlich eine ganz andere Zielrichtung als Mandriva und Opensuse. Wenn man es mit Häusern vergleichen würde, dann bieten Mandriva und Opensuse Häuser, die nach der Installation mehr oder weniger gut bewohnbar sind. Man muss vielleicht noch ein paar Möbel austauschen und zurechtrücken, aber im Großen und Ganzen kann man sich gleich wohl fühlen. Fedora ist eine andere Geschichte: Hier zieht man eher in eine Baustelle ein. Um es wirklich bewohnbar zu machen, muss man noch eine Menge Arbeit reinstecken.

Fedora 12 - Desktop (KDE)

Was mir gefällt

Fedora 12 hat eine wirklich gute Basis. Es ist schnell, stabil, zuverlässig und bietet trotzdem aktuelle Software. Auch vom Design her find ich es (trotz dem vielen Blau) ansprechender und ausgewogener als Mandriva. Die Softwareverwaltung mit Package-Kit funktioniert gut und relativ zügig (bis auf die relativ lange Startzeit).

Was mir nicht so gefällt

Fedora verzichtet ganz bewusst und gezielt auf proprietäre Software. Das ist okay, denn so wird Open-Source gefördert. Nur für mich als Endanwender ist es einfach so, dass ich z.B. meine 3D-Grafikkarte auch als 3D-Grafikkarte benutzen möchte. Das geht bis jetzt nur sinnvoll mit den proprietären NVIDIA-Treibern. Schön ist ja, dass es bei Fedora inzwischen das rpm-Fusion-Repo gibt, in welchem auch solche Software zu finden ist (und das relativ leicht eingebunden werden kann). Aber selbst hier musste ich lange herum googeln bis ich herausgefunden habe, dass zu dem Zeitpunkt die NVIDIA-Treiber für Fedora 12 noch im Testing-Zweig von rpm-Fusion lagen. Erst nachdem ich diesen aktiviert hatte, konnte ich die NVIDIA-Treiber installieren. Aber daneben muss man dann noch eine weiter Hürde überwinden: Die Treiber funktionieren nur wenn man zusätzlich im Grub-Menu die freien nouvau-Treiber mit folgendem Eintrag deaktiviert: nouveau.modeset=0 (einfach am Ende der kernel-Zeile im Grub-Menü einfügen).  An diesem Beispiel wird deutlich, dass so manches bei Fedora einiges an Handarbeit und an Nachforschung erfordert. Denn in der offiziellen Dokumentation taucht zu solchen Problemen sehr wenig auf.

Fazit

Alle drei sind gut, aber alle drei haben auch so ihre kleinen Macken und Fehler. Mein Favorit von den dreien ist Mandriva. Ich hatte auf meinem Computer noch eine frei Partition zu vergeben. Das Rennen hat Mandriva gemacht – das wird jetzt erst mal (neben meiner Lieblingsdistribution Arch-Linux) drauf bleiben. Insgesamt finde ich Mandriva das ausgereifteste, stabilste und ausgewogenste System.

[update:]

Muss mein Urteil noch einmal revidieren: Nachdem sich bei meiner Mandriva-Installation in den Boot-Vorgang eine lästige Unterbrechung eingeschlichen hat (eine Minute Wartezeit, auf irgendwelche Partitionen, die dann später doch da waren… keine Ahnung wie es dazu gekommen ist…), hab ich noch einmal Opensuse ausprobiert. Ursprünglich hatte ich den Release-Candidate installiert und nun eben die finale Version von Opensuse. Und siehe da: Diese Installation lief sehr viel runder und besser als die vorherige (obwohl es ja eigentlich kein Unterschied machen sollte, da auch der RC über die Updates aktualisiert wird…). Opensuse läuft seither bei mir zuverlässig und schnell. Bin sehr zufrieden damit. Was mich besonders beeindruckt, ist die erstaunlich kurze Boot-Zeit. In Verbindung mit einer leichtgewichtigen Desktop-Umgebung wie z.B. LXDE startet das (zumindest bei mir) so richtig fix.

Screenshots

OpenSuse 11.2 - Desktop (KDE)
OpenSuse 11.2 - Installation (1)
OpenSuse 11.2 - Installation (2)
OpenSuse 11.2 - Installation (3)
OpenSuse 11.2 - Installation (4)
OpenSuse 11.2 - Installation (5)
OpenSuse 11.2 - Installation (6)
OpenSuse 11.2 - Yast Kontroll Center
OpenSuse 11.2 - Desktop (Gnome)
OpenSuse 11.2 - Nautilus Datei Manager (Gnome)
Mandriva 2010 - Desktop (KDE)
Mandriva 2010 - Desktopeffekte funktionieren "out of the box"
Mandriva 2010 - Dateimanager Nautilus
Mandriva 2010 - Entfernt unbenötigte Pakete bei Installation
Mandriva 2010 - Multimediatasten funktionieren auf Anhieb
Mandriva 2010 - Automatisches Softwareupdate
Mandriva 2010 - Paketverwaltung
Fedora 12 - Der Standard-Desktop (KDE)
Fedora 12 - Package Kit: Software Updates
Fedora 12 - KDE4 Benachrichtigungen
Fedora 12 - Firewall Konfiguration
Fedora 12 - Dienste Konfiguration
Fedora 12 - Dolphin mit Bildervorschau
Fedora 12 - Systemeinstellungen (KDE) mit Icon zur Softwareverwaltung
Fedora 12 - Tool zum automatischen generieren von Bug-Reports
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