Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels

Wow! Das war mein erster Gedanke, nachdem ich mit Lesen fertig war! Wow! Ich bin beeindruckt. Hab schon länger nicht mehr solch ein intelligentes, witziges und doch auch tiefgründiges Buch mehr gelesen. Manche Bücher haben einen gewissen Zauber, sie schaffen es, mich mehr als andere Bücher, in ihre Welt hinein zu ziehen. Manche Bücher wirken ähnlich wie eine Droge: Das Bewusstsein wird erweitert, man hat das Gefühl die Welt ganz anders zu sehen, man meint plötzlich, einen schärferen Blick auf die Wirklichkeit zu haben. Bei diesem Buch ging es mir so.

Diese Frau, die Autorin, ist schlau – das merkt man. Sie hat Philosophie studiert. Auch das merkt man in dem Buch. Aber zugleich ist sie nicht abgehoben. Zumindest nicht in diesem Buch. Es geht nicht um abgehobene Intelligenz, sondern um Lebensweisheit. Die „Eleganz des Igels“ ist 2006 in Frankreich erschienen und ist mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet worden.

Im Mittelpunkt des Romans steht Renée, eine vierundfünfzig Jahre alte Concierge in einem Stadthaus, in welchem einige reiche Leute wohnen. Eine Concierge ist sowas wie eine Pförtnerin oder Hausmeisterin. Sie sagt von sich: „Ich bin Witwe, klein, häßlich, mollig, ich habe Hühneraugen und, gewissen Morgenstunden zufolge, in denen er mich selbst stört, einen Mundgeruch wie ein Mammut.“ (S.11) Was sie außergewöhnlich macht ist ihre Intelligenz: Sie ist hochgebildet und hochbegabt. Allerdings weiß das niemand, denn sie verbirgt ihre Leidenschaft für Literatur, Philosophie, Musik und Malerei. Für all die anderen spielt sie die dümmliche Concierge.

Die zweite Hauptperson ist Paloma. Ein zwölfjähriges Mädchen, Tochter reicher Eltern und irgendwie verloren in dieser Welt. Auch sie ist hochintelligent und durchschaut die schöne Scheinwelt der Erwachsenen. Die Leere und der Unsinn des Erwachsenenlebens will sie nicht mitmachen. Und so beschließt sie, dass sie sich an ihrem dreizehnten Geburtstag das Leben nehmen will. Es macht sowieso keinen Sinn.

Als nun ein neuer Mieter in dem Stadthaus einzieht verändert sich für beide ihre Welt: Monsieur Ozu, ein japanischer Geschäftsmann dringt schnell hinter die Fassade von Renée und Paloma. Und er eröffnet durch seine Art den beiden einen völlig neuen Zugang zum Leben.

Ein wirklich schönes, bewegendes Buch. Durch das erste Drittel muss man sich etwas durchkämpfen. Aber bei diesem Buch lohnt sich das! Nicht zu schnell aufgeben. Es wird gegen Ende hin immer besser.

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