Mikael Engström: Ihr kriegt mich nicht!

Ein Jugendbuch, das auch ich als Nicht-Jugendlicher gerne gelesen habe. Engström ist Schwede und hat schon zwei andere erfolgreiche und mit Preisen ausgezeichnete Jugendbücher geschrieben. Es geht um Mik – ein „Problemkind“, das hin- und hergeschoben wird. Mik ist zwölf Jahre alt, seine Mutter ist tot, sein Vater Alkoholiker und sein älterer Bruder kriminell. Nach außen hin versucht er so lange wie möglich die Fassade einer intakten Familie aufrecht zu erhalten. Keiner soll merken, wie es in der Familie tatsächlich aussieht.

Doch das Jugendamt kommt Mik auf die Schliche: der Vater wird zur Entziehungskur geschickt und Mik zu seiner Tante in ein abgelegenes Dorf voller skurriler aber liebenswerter Personen. Nach der Entziehungskur kommt Mik wieder zu seinem Vater zurück, doch die Situation ist bald wieder genau so schlimm wie vorher. Dieses mal kommt Mik zu einer Pflegefamilie – in eine Familie, die laut Sozialamt funktioniert. Doch diese angeblich heile Familie entpuppt sich schnell als das Gegenteil. Mik sehnt sich wieder zurück zu seiner Tante, die ihn liebevoll aufgenommen hat und zu den Freunden, welche er im Dorf seiner Tante gefunden hatte.

Beim zweiten Ausreißversuch schafft er es, sich bis zu seiner Tante durchzuschlagen. Doch das Jugendamt ist ihm auf der Spur und will ihn wieder zurück zur Pflegefamilie bringen

Die Handlung ist nicht außergewöhnlich und an vielen Stellen auch nicht überraschend. So manches wird überspitzt und wenig differenziert dargestellt – was ja für ein Jugendbuch auch in Ordnung ist. Trotzdem habe ich den Roman mit Begeisterung verschlungen. Dem Autor gelingt es, auch ohne große Überraschungen in der Handlung, seine Geschichte spannend und anschaulich zu erzählen. Man fiebert schnell mit den Hauptpersonen mit.

Gerade die Darstellung von Mik hat mir sehr gefallen. Die Geschichte wird aus seiner Perspektive erzählt und der Autor deutet auf feinfühlige Art seine Ängste und Hoffnungen an, ohne platt zu werden. Natürlich ist es zugespitzt, wenn Mik vor allem als liebesbedürftiger, etwas einfältiger Junge mit Herz beschrieben wird, der nur durch die äußeren Umstände aus der Bahn geworfen wird und die Mitarbeiter des Sozialamtes als totale Nieten geschildert werden. Aber trotzdem bekommt man eine Ahnung, was hinter der Fassade von so manchen „Problemkindern“ stecken könnte. Gut nachvollziehen konnte ich in der Darstellung auch Mik’s Angst aus seiner kaputten Familie herausgerissen zu werden. Sein Vater ist zwar am Ende und Mik weiß, wie schlecht es ihm geht – aber doch ist der Vater und der Bruder zu Beginn des Buches der einzige Ort, der für ihn so etwas wie Heimat ist.

Auch wenn sich die Geschichte etwas sentimental anhört und im Grunde auch kräftig auf die Tränendrüse und das Mitgefühl des Lesers drückt, habe ich mich gerne auf das Buch eingelassen. Der klare Stil hält bei aller Nähe eine gewisse Distanz. Und viele eigentlich furchtbaren Erlebnisse werden mit einem ganz trockenen Humor erzählt. Sehr lesenswert!

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