Matthäus 9, 18-26 – argumentum e silentio

Zwei Gedanken zu diesem Abschnitt. Zum einen hab ich den Text ein wenig mit der Parallelstelle bei Markus verglichen. Matthäus hat die Markusvorlage deutlich gekürzt. An einer Stelle ist mir das besonders aufgefallen: Bei Markus merkt Jesus dass eine Kraft von ihm ausgegangen ist, wendet sich um und fragt, wer ihn berührt hat. Darauf gibt sich die Frau zu erkennen. Bei Matthäus dreht sich Jesus um, sieht sofort die Frau an und spricht sie an.

Das ist einfach eine kürzere Darstellung. Aber dieser Vergleich zeigt, wie vorsichtig wir sein müssen bei biblischen Texten irgendwelche Schlüsse aus dem zu ziehen, was nicht ausdrücklich da steht. Bei Matthäus scheint es ja mehr ein allwissender Jesus zu sein, der sofort blickt, was los ist. Bei Markus erscheint Jesus menschlicher: Er muss erst mal in die Mensche schauen und fragen, wer das war. Natürlich kann es auch bei Markus sein, dass Jesus innerlich schon wusste wer das war. Aber dieser Vergleich zeigt mir, wie schnell man aus etwas, das nicht ausdrücklich erwähnt wird, auch falsche Schlüsse ziehen kann. In der Theologie nennt man das ein argumentum e silentio – ein Argument auf Grund des Schweigens. Je nachdem wie man das anwendet kann das auch auf falsche Fährten führen! Bei diese Stelle kann uns das Schweigen schnell dazu verführen, die göttliche Seite Jesu viel stärker zu sehen, als seine menschliche.

Das andere bei diesen Text ist dann diese Totenauferweckung. WOW! Da geht er einfach rein und sagt, dass das Kind schläft. Kein Wunder, dass die Leute in verlacht haben! Mir wär’s bestimmt auch nicht anders gegangen. Auch die Leute damals wussten aus dem Alten Testament, dass Gott die Macht hat Tote aufzuerwecken. So wie ich heute weiß, dass Jesus Tote wieder lebendig machen kann. Aber grundsätzlich an etwas zu glauben ist etwas anderes, als es konkret zu erleben.

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