Matthäus 8, 1-4 – Wenn du willst

Ein Aussätziger kommt zu Jesus und sagt: „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.“ Und Jesus tut’s. Schwupdiwupp – und geheilt ist der Mann. Warum „funktioniert“ das nicht immer so? Ich habe auch Heilung nötig, ich habe Reinigung nötig. Da gibt es viel zu viel „Aussatz“ in meinem Leben. „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.“ Will er nicht? Will ich nicht richtig? Ist es bei mir nicht so wichtig? War das nur eine beispielhafte Heilung? Habe ich zu wenig Glauben und Vertrauen?

Was mich etwas tröstet ist, dass er auch beim großen Paulus nicht jedes Gebet erhört hat. Er hat ihm den „Stachel im Fleisch“ gelassen. Er hat ihn nicht geheilt. Wohl nicht weil Paulus zu wenig Glauben hatte, sondern weil Gott selbst es nicht so wollte. Aus welchen Gründen auch immer…

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6 Gedanken zu „Matthäus 8, 1-4 – Wenn du willst“

  1. Schnupfen quält mich.
    Habe gestern eine Predigt eines „Glaubens“-Lehrers gehört, wonach ich nicht sagen soll: „Ich habe Schnupfen“, sondern: „Ich bin gesegnet“.
    Habe ich gemacht. Habe die Heilung durch Jesus in Anspruch genommen.

    Hab‘ noch immer Schnupfen.

    Will Gott nicht heilen?
    Das ist es nicht.
    Es ist mehr so, dass ich aktuell Phasen habe, in denen ich 2-3 Wochen hintereinander arbeite und keinen richtigen Ruhetag habe. Zudem plage ich mich mit ca. 12-15 Arbeitsstunden täglich.
    Ich kann dankbar sein, dass es nur ein Schnupfen ist! 🙂

    Will sagen:
    Ein Wunder ist toll.
    Aber besser ist es, im Segen Gottes zu leben, wozu unbedingt der Ruhetag gehört und ein Arbeitstag mit weniger Stunden. Dann brauche ich auch kein „Schnupfen-Heilungswunder“!

    Nebenbei:
    der „Stachel“ bei Paulus war m.E. keine Krankheit.

    Segen!
    brassa Dirk.

  2. Danke für die guten Gedanken! Ja, so ein Perspektivenwechsel ist schon gut und richtig. Ich bewundere Christen, die auch in echt krassen Situationen voller Dankbarkeit sind. So Menschen, die einfach eine positive Einstellung haben und nicht nur dauernd rummeckern. Und es stimmt ja auch bei mir: Auch ohne irgendwelche besonderen Wunder bin ich gesegnet.
    Zugleich habe ich die Befürchtung, dass wir Christen viel zu oft manche Dinge schönreden und mit Puderzucker überstreuen. Ich denke wir dürfen auch heute noch – wie die Psalmbeter – vor Gott unser Unverständnis, unsere Klage und unseren Schmerz laut werden lassen.

  3. Die Sache mit dem „Puderzucker“ finde ich gut. Ich bin seit Jahren mit verschiedensten Krankheiten „gesegnet“. Ich habe Zeiten erlebt, in denen ich das Geschenk/den Segen darin sehen und spüren konnte und ich hab Zeiten erlebt, in denen ich total mit Gott und meinen Umständen gehadert habe. Beides waren Zeiten, die mich weiter gebracht haben. Was jedoch mein Leiden verlängert, ist wenn ich innerlich hadre und mir einrede, ich solle das nicht, alles ist gut, Gott weiß schon warum…. Da fühle ich mich in meinem wahren Inneren nicht mehr mit Gott verbunden, ganz im Gegenteil.

    Aber eigentlich geht es mir gerade um etwas anderes bei dieser Bibelstelle. Da sagt doch Jesus zu dem Aussätzigen, dass er niemandem was erzählen soll? WARUM?? Wie seht Ihr das?

    1. Hallo Inge,
      willkommen bei windhauch! Finde das sehr treffend und gut, wie du deinen Umgang mit Krankheiten beschreibst.
      Das Schweigegebot am Ende der Geschichte wird in der Theologie normalerweise mit dem sog. „Messiasgeheimnis“ in Verbindung gebracht. An vielen Stellen verbietet Jesus den geheilten Menschen, seinen Jüngern oder auch den ausgetriebenen Dämonen, etwas von den besonderen Wundern zu berichten, die Jesus tat. In Mk. 9,9 wird dieses Verbot beschränkt auf die Zeit vor Jesu Tod und Auferstehung.
      Es gibt unterschiedliche Deutungen und Vermutungen dazu. Aber mir erscheint am einleuchtendsten, dass Jesus nicht als reiner „Wundertäter“ bekannt werden wollte, sondern dass man ihn als Person (und als Messias) eigentlich erst so richtig von Kreuz und Auferstehung her verstehen kann.

  4. Guten Morgen Windhauch,

    vielen Dank für Deine Antwort. Ja, vielleicht ist es so gemeint. Schade, dass es in der Bibel nirgendwo genauer erklärt ist. Ich wär mir so gerne sicher… Ich lese noch nicht wirklich lange in der Bibel und da gibt es sooo Vieles, was ich nicht verstehe. Einer der häufigsten Sätze in meinem Kopf beim Bibel-Lesen ist: „Hä, wie soll ich denn das verstehen?“ Soll heißen: das war gewiß nicht meine letzte Frage an Dich.

    Schön, dass es Dich gibt und ich Dich entdeckt habe.

    Grüße,
    Inge

  5. @ Inge

    Dies hängt sehr eng damit zusammen, wie die geistlichen Führer Israels ihren Messias erkennen sollten. Das war ein genau festgelegtes Procedere, da wurde nichts dem Zufall (oder dem „gemeinen Volk“) überlassen. Der springende Punkt ist hier der Schluß:

    „..ihnen (Anm.: den Priestern) zum Zeugnis.“

    Sehr schön ist dieser Vorgang (offizielles Erkennen des verheißenen Messias) hier beschrieben, von Arnold Fruchtenbaum, einem amerikanischen „Judenchristen“. (habe diese Bezeichnung mal aus dem Text übernommen)

    http://www.alexanderseibel.de/was_war_die_laesterung_des_heiligen_geistes.htm

    Gut gefällt mir auch diese Auslegung der Verse Mt.8, 1-4, geht in die gleiche Richtung, nur nicht so ausführlich:

    „“Er schreibt in den Versen 1 bis 4: »Dann stieg Er vom Berg herab, und viele Scharen folgten Ihm nach. Und siehe, ein Aussätziger kam herzu, fiel vor Ihm nieder und bat: Herr! Wenn Du willst, kannst Du mich reinigen. Da streckte Er Seine Hand aus, rührte ihn an und sagte: Ich will! Sei gereinigt! – Und sofort war sein Aussatz gereinigt. Darauf gebot Jesu ihm: Siehe zu, sage niemandem etwas, sondern gehe hin, zeige dich dem Priester und bringe die Nahegabe dar, die Mose anordnete, ihnen zum Zeugnis.«

    Ein Aussätziger! Sein Körper ist von einer schweren Krankheit gezeichnet, die zudem aus der menschlichen Gesellschaft ausschloss und kultisch unrein machte.

    Und dieser Mensch scheute sich nicht und kam zu Jesus. Er redete Ihn mit »Herr« an, als einen, der herrschen und gebieten kann. Gewiss hatte er von der göttlichen Vollmacht Jesu gehört.

    »Wenn Du willst«, sagte der Aussätzige. Dies ist die rechte Glaubenshaltung dem Herrn gegenüber, bei dem allein die Entscheidung liegt. »… kannst Du mich reinigen.« Dass Jesus dazu imstande ist, steht für jeden Glaubenden fest. Er sagte übrigens nicht »heilen«, sondern »reinigen«, was den Gedanken an eine Reinigung zugleich auch von Sünden nicht ausschließt. Und Er, der das Leben ist (Joh.14:6), Jesus, der lebendig machende Geist (1.Kor.15:45), wollte und sprach daher: »Sei gereinigt!« Und es geschah, wie in Psalm 33:9 geschrieben: »Er [Jewe] spricht, und es geschieht, Er gebietet, und es steht da.«

    Dann wies der Herr, der unter dem Gesetz war und es zu erfüllen gekommen war, den Gereinigten an, sich dem Priester zu zeigen und die in 3.Mose 14:1-32 angeordneten Nahegaben (Geschenke, mit denen man sich Gott huldigend naht) darzubringen. Nun musste ein Priester, also jemand aus den Gegnern Jesu Christi, offiziell feststellen, dass der Mann gesund geworden war. Nirgendwo ist auch nur angedeutet, dass die Priesterschaft Jesus jetzt als den verheißenen Messias erkannte, der nach den heiligen Schriften doch solche Zeichen im Hinblick auf das Königreich tun wird (Jes.29:18,19; 35:5; 61:1-3; Mat.11:3-6). Und wohl kaum einem Priester dürfte der Gedanke gekommen sein, dass die Reinigung des Aussätzigen durch Jesus ein Zeichen dafür war, dass nur Er Israel von der Krankheit der Sünde heilen kann.

    Der Herr schloss Seine Rede mit den Worten: »… ihnen zum Zeugnis.« Den Führern des Volkes war damit bezeugt, dass Jesus die Kräfte des Messias hat, sodass sie sich nicht mehr als Unwissende entschuldigen konnten.

    zitiert aus:

    freenet-homepage.de/biblische_lehre/ausfuehrungen_zum_bericht_des_matthaeus.htm#8:1-9:8

    Grüße
    tape

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