Matthäus 7, 1-6 – Mangelnde Lutherkenntnis bei Jesus

Bei Luther haben wir gelernt, fein säuberlich zu trennen: Ein moralisch gutes Leben hat nichts mit meiner Errettung zu tun. Gerettet werde ich allein durch Glaube und allein durch Gnade. Erst vor kurzen habe ich erlebt, wie entsetzt wir reagieren (auch ich selbst) wenn dieses „allein durch Glaube“ irgendwie eingeschränkt wird. Da hat ein Bruder betont, dass im Gericht auch zählt, ob man seine Sünden bekannt hat und Buße dafür getan hat. Wenn nicht, dann wird man auch nicht gerettet. Wir anderen haben uns alle mit Händen und Füßen gegen diese Meinung gewehrt: Im Gericht zählt allein der Glauben, allein das Vertrauen auf Jesus – selbst wenn es da noch Sünden gibt, für die ich noch nicht bewusst Buße getan habe. Ich würde heute noch genau so reagieren.

So weit – so gut. Aber was macht Jesus hier? „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“ Da wird mein moralisches Handeln verknüpft mit dem Gericht Gottes über mich. Aber hoppla, Jesus! Kennst du denn keinen Luther? Allein aus Gnade! Im Gericht zählt allein der Glaube und nicht meine Werke! Oder haben wir da was falsch verstanden? Diffidieren wir da in unserem theologischen Denken künstlich etwas auseinander, was eigentlich untrennbar zusammenhängt?

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