Matthäus 6, 9-13 – Von der Freiheit des Bittens

Gäähn, das Vaterunser… So oft gehört und gebetet, dass man es auch ohne Nachdenken und im Halbschlaf hoch- und runterbeten kann. Vielleicht ist gerade das unser Problem und Missverständnis bei diesem Gebet. Klaus Douglass beobachtet sehr gut, dass Lukas uns eine etwas andere Version des Vaterunsers überliefert und er zieht daraus folgenden Schluss: „Die ersten Christen haben im Vaterunser offensichtlich nicht so sehr ein fertig formuliertes Gebet, sondern eine Anleitung zum eigenen Beten bzw. Bitten gesehen. ‚So sollt ihr beten‘ sagt Jesus – das heißt: auf diese Weise, in diese Richtung. Es heißt nicht unbedingt: mit diesen Worten.“ (S.237)

Sehr interessant dann auch der Hinweis auf Martin Luther, der das Vaterunser mehrmals täglich betete und sich manchmal dafür sehr lange Zeit nahm. Das heißt, dass er nicht einfach die Worte runtergebetet hat, sondern dass er auf Grundlage und durch Anregung des Vaterunsers mit eigenen Worten gebetet hat und seine eigenen Anliegen passend dazu formuliert hat.

Diese Gedanken gefallen mir sehr. Vielleicht ist es auch in anderen Bereichen so, dass wir biblische Aufforderungen zu engstirnig und ängstlich lesen. Um ja nichts falsch zu machen und um Jesus wörtlichen Gehorsam zu leisten, binden wir uns an den genauen Wortlaut des Vaterunsers, anstatt uns von ihm in die Freiheit des Bittens vor Gott führen zu lassen…

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2 Gedanken zu „Matthäus 6, 9-13 – Von der Freiheit des Bittens“

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