Matthäus 5, 17-20 – Nicht mal ein Tüpfelchen

Nicht ein einziger Buchstabe und nicht einmal das kleinste Tüpfelchen im Gesetz werden vergehen. Wir sollen nicht einmal das kleinste Gebot aufheben. Das klingt sehr nach Buchstabengehorsam. Das klingt nach blinder, wortwörtlicher Erfüllung aller alttestamentlichen Gesetze. Aber das Leben Jesu spricht andere Worte. Und auch in der Bergpredigt macht er deutlich, dass es ihm nicht um einen Buchstabengehorsam im Sinn der Pharisäer geht, sondern um den Sinn, der hinter den Geboten steht. Es geht um die Absicht der Gebote und nicht um ihre oberflächliche, nur buchstäbliche Erfüllung.

Auch heute noch tun sich viele Christen schwer mit der Spannung zwischen einem ängstlichen Festhalten am Buchstabengehorsam und einem alles relativierenden „nur die Liebe zählt“. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Jesus selbst konnte dem Wort Gottes höchste Achtung entgegenbringen. So wie an dieser Matthäusstelle: Nicht das kleinste Tüpfelchen ist hinfällig. Er konnte aber auch elegant im Namen der Liebe alttestamentliche Gebote aushebeln, so z.B. bei der Ehebrecherin in Joh.8,1-11, die nach 5. Mose 22,22-24 eigentlich hätte gesteinigt werden müssen.

Ich finde das auch keine einfach Gratwanderung. Aber es tut mir im Herzen weh, wenn ich manche Christen sehe, die sich verbissen am Buchstaben festklammern und die dabei der Liebe die Luft abschnüren. Genauso schwierig finde ich es aber wenn im Namen der Liebe alles möglich wird und manche Christen gar keine Maßstäbe mehr als verbindlich ansehen. Auch wenn die beiden Extreme einfacher zu handhaben sind: Sie führen in die Irre.

Matthäus 5, 17-20 – Nicht mal ein Tüpfelchen
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