Matthäus 5, 1-12 – Selig sind die Hartz IV Empfänger?

In der Auslegung meiner Studienbibel dieser Text mit der sogenannten Armenfrömmigkeit in Verbindung gebracht. Die Seligpreisungen Jesu gelten vor allem den Armen – und zwar nicht nur den geistlich Armen, sondern den materiell Armen. Sie seien durch ihre Armut in besonderer Weise gezwungen alles von Gott zu erwarten. Diese erste Seligpreisung stünde quasi als Überschrift über allen anderen.

Der Ausdruck „geistlich arm“ scheint jedoch nicht so eindeutig deutbar zu sein. Die Wuppertaler Studienbibel übersetzt an der Stelle: „Glückselig die Armen durch den Geist.“ Also nicht einfach Arme die durch äußere Umstände arm wurden und als Folge davon sich stärker auf Gott ausrichten, sondern umgekehrt: Menschen, die sich stark auf Gott ausrichten und die dann durch den Geist in materielle Armut geführt wurden. Wieder anders versteht diese Stelle Gerhard Maier in der Edition C: Er denkt an diejenigen, die unter der Last ihrer Sünde und Schuld gebeugt sind und ihre innere Armut vor Gott erkennen. Hier ist also mehr an Armut in geistlicher Dimension statt in materieller Dimension gedacht.

Keine Ahnung, was da jetzt stimmt – von der Übersetzung her scheint alles möglich zu sein. Aber von der Gesamtbotschaft des NT her gilt beides: Gott ist in besonderer Weise den materiell Armen nahe und auch denen die ihre geistliche Armut vor Gott erkennen. Und ich kann mir durchaus auch vorstellen, dass manche Leute durch das Wirken des Geistes bewusst die Armut wählen, um Gott näher zu kommen. Zu den Gelübden der Mönche und Nonnen gehört z.B. das Gelübde der Armut.

Wie wäre das wohl bei mir? Würde ich als Hartz IV Empfänger Gott stärker vertrauen? Das ist sicher kein Automatismus: Nicht jeder, der arm ist, vertraut deswegen stärker auf Gott. Aber vielleicht ist das schon eine Krankheit der westlichen Christenheit: Dass es uns mit unserem bequemen und abgesicherten Lebensstil viel schwerer fällt, uns unserer existentiellen Abhängigkeit von Gott deutlich zu werden.

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