Matthäus 4, 12-17 – Jesus am Rand

Zwei Dinge sind mir in dem Abschnitt aufgefallen: Zum einen dass, Jesus sich nach Galiläa zurück zieht. Das war ein Randgebiet Israels. Die meisten Israeliten in diesem Gebiet wurden 732 v. Chr. von den Assyrern verschleppt und seitdem wohnten dort auch viele Nicht-Israeliten. Jesus beginnt seine Wirksamkeit also nicht im Zentrum des jüdischen Volkes (das wäre in Judäa), sondern am geographischen Rand.

Und das gilt ja nicht nur für die Geographie: Auch von den Gesellschaftsschichten her wendet er sich an die Außenseiter und Ausgestoßene (Zöllner, Huren, Kranke,…). Das heißt nicht, dass er eine Art „social gospel“ hatte, das nur auf sozial Schwache zugeschnitten war – seine Botschaft war allgemein und galt allen. Aber es zeigt ganz deutlich, dass er keine Berührungsängste hatte und dass ihm gerade die Leute am Rand der Gesellschaft wichtig waren.

Das zweite was mir auffällt ist seine Botschaft: Wortwörtlich die gleiche wie bei Johannes dem Täufer: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ (Mt. 3,2 und Mt. 4,17). Jesus hatte es offenbar nicht nötig, sich auf Kosten anderer zu profilieren. Er wollte nicht unbedingt etwas Neueres, Besseres, Spektakuläreres als andere sagen, sondern konnte sich bescheiden der richtigen Botschaft anderer anschließen. Und das obwohl Johannes ja ganz groß Jesus angekündigt hat als denjenigen, der stärker ist als er, als denjenigen, der nicht nur mit Wasser tauft, sondern mit dem Heiligen Geist und mit Feuer, als denjenigen, für den er nicht mal gut genug ist, ihm die Schuhe hinterher zu tragen. Jesus war die Botschaft wichtiger als seine Person. Obwohl sich dann im Lauf des Evangeliums herausstellt, dass seine Botschaft untrennbar mit seiner Person zusammenhängt.

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