Matthäus 28, 16-20 – Du sollst missionieren!!!

So ein richtiger „Schlechtes-Gewissen-Text“. Diesen „Missionsbefehl“ bekommen wir Christen immer und immer wieder zu hören. Und immer wird betont, wie wichtig und zentral es ist, dass wir unseren Glauben bezeugen und dass wir all die Ungläubigen um uns herum „missionieren“. Mich beschleicht bei diesem Text das dumpfe Gefühl, dass wir ihn alle mit einem schlechten Gewissen hören. Denn wer tut das schon? Die ganze Welt „missionieren“? Den meisten von uns ist es schon zuviel, wenn der Arbeitskollege einen schief anschaut, weil man am Sonntag in der Kirche war.

Um das Gewissen zu beruhigen unternehmen wir immer wieder mal ein paar Missionsversuche. Entsprechend verkrampft sehen die dann auch oft aus – und unsere Scheu davor wird nur noch verstärkt. Am einfachsten ist es noch, wenn wir bei „Pro Christ“ oder ähnlichen Veranstaltungen in der Küche helfen können, denn das zählt ja dann auch als „Mission“. Wir fühlen uns viel zu oft wie Verkäufer, die etwas verkaufen sollen, an dem niemand so richtig Interesse hat. Viel zu oft geht’s schief, wir sind frustriert und bekommen oft selbst Zweifel an dem „Produkt“, das wir verkaufen sollen.

Was mich aber heute an diesem Text umgehauen hat, war der Vers 17. Da erscheint der auferstandene Jesus seinen Jünger und sie fielen vor ihm nieder, „einige aber zweifelten.“ Wie krass ist das denn?! Jesus selbst steht sichtbar vor ihnen und trotzdem sind noch nicht alle überzeugt?! Trotzdem können es einige noch nicht glauben, dass Jesus lebt?!

Das zeigt mir einerseits, wie schwierig es ist unsere menschlichen Zweifel zu überwinden. Wenn nicht mal Jesus selbst das bei all seinen Jüngern schafft, wie sollen wir das heute bei Menschen schaffen, die mit Gott gar nichts am Hut haben?! Zum anderen finde ich die Ehrlichkeit der Bibel hier – wieder mal – einfach herrlich! Das ist doch genial, dass hier nichts schön geredet wird. Für mich ist diese Ehrlichkeit auch gegenüber dem Scheitern sehr viel überzeugender, als so manche auf Hochglanz polierte Überzeugungsrede, wie fantastische doch das Leben als Christ sei.

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5 Gedanken zu „Matthäus 28, 16-20 – Du sollst missionieren!!!“

  1. Danke für diesen schönen Beitrag. Den könnte man ja schon fast als Trackback zu der Florians Atheisten Reihe[1], [2], [3] sehen.

    Wenn ich von meinem Glauben spreche, dann passiert es meistens so, dass jemand ganz öffentlich von sich behauptet, Atheist zu sein und mich dann anspricht: „Du glaubst an Gott; los überzeuge mich, dass es ihn gibt.“ Gehe ich dann darauf ein, habe ich fast immer das Gefühl dass der sich dann innerlich kaputt lacht – damit meine ich hier nicht unbedingt den Florian, sondern das ist meine allgemeine Erfahrung.

    Es müsste doch viel mehr lauten: Los, überzeug mich, dass es keinen Gott gibt – und dann bitte auch richtig mit Bezug zur Bibel. Was denkst du?

    [1]: http://hofnarrflorian.wordpress.com/2009/05/09/editorial-der-reihe-vom-christen-zum-atheisten/
    [2]: http://hofnarrflorian.wordpress.com/2009/05/11/ein-atheist-in-der-kirche/
    [3]: http://hofnarrflorian.wordpress.com/2009/05/17/ein-atheist-im-kindergarten/

    1. Ich finde es gut und wichtig, auch über den Glauben zu diskutieren und auch gute Argumente dafür zu haben. Aber ich habe mich inzwischen von der Vorstellung gelöst, dass ich andere durch Logik zum Glauben überreden könnte. Dieses sich gegenseitig überzeugen wollen kann leicht zu verbissenen Wortgefechten führen, von denen am Ende dann beide Seiten frustriert sind.
      Was letztendlich mehr Gewicht hat, sind meine persönlichen Erfahrungen. Ich erlebe immer wieder, dass Gott irgendwie da ist (auch dann wenn er scheinbar überhaupt nicht sichtbar in mein Leben eingreift). Diese Erfahrung kann mir niemand nehmen und kann auch niemand wegdiskutieren. Damit kann ich natürlich auch nichts beweisen, aber das geht ja so oder so nicht (auch kein Atheist kann wirklich beweisen, dass es keinen Gott gibt 😉 ).
      Grüße und Segen!

  2. „Aber ich habe mich inzwischen von der Vorstellung gelöst, dass ich andere durch Logik zum Glauben überreden könnte. Dieses sich gegenseitig überzeugen wollen kann leicht zu verbissenen Wortgefechten führen, von denen am Ende dann beide Seiten frustriert sind.“
    Dem kann ich nur zustimmen… Ich stelle auch immer wieder fest, dass es nichts bringt, die Leute mit großen Reden und irgendwelcher Logik zu überzeugen… Solche Diskussionen arten meist eh nur in Streit aus, und das ist ja auch nicht Sinn der Sache.
    Ich hab heut im ersten Korintherbrief gelesen und finde das, was ich da heut gelesen habe ganz passend: 1. Kor. 1, 18: „Ich weiß, wie unsinnig die Botschaft vom Kreuz in den Ohren derer klingt, die verloren gehen. Wir aber, die wir gerettet sind, erkennen in dieser Botschaft die Kraft Gottes“(NL)
    1. Kor 2, 4: „Meine Botschaft und meine Predigt waren schlicht, ich gebrauchte keine klugen Worte und versuchte auch nicht, euch zu überreden, sondern die Kraft des Heiligen Geistes hat unter euch gewirkt“ (NL) (..um ma 2 Verse zu nennen)
    Dennoch ist es wichtig über Glaube zu reden oder zu diskutieren, aber man sollte aufpassen, dass kein Streit daraus wird (und ggf. rechtzeitig das „Gespräch“ beenden)

    „Diese Erfahrung kann mir niemand nehmen und kann auch niemand wegdiskutieren“ Das ist wahr und gut zu wissen, auch wenn einem hin und wieder der ein oder andere Zweifel über den Weg läuft, so kann mir keiner nehmen, was ich erlebt habe… und an Zufall glaub ich scho länger nicht mehr 😉

  3. Hallo Kathrin!
    Willkommen beim windhauch und danke für die Ergänzungen!
    Ja, letztendlich können wir die „Unsinnigkeit“ des Kreuzes nicht logisch erklären. Und trotzdem ist es wichtig, wie du schon gesagt hast, über den Glauben zu reden und zu diskutieren, weil Gott gerade unseren unzulänglichen Worte benutzen möchte, um selbst zu den Menschen zu reden… 🙂

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