Matthäus 27, 15-30 – Die Hände in Unschuld waschen

Hände waschenDer arme, arme Pilatus. Der eingeschüchterte Mann wird von der bösen Volksmenge dazu gezwungen – gegen seine eigene Einsicht – einen Unschuldigen hinrichten zu lassen. Aber er kann sich ja elegant aus der Affäre ziehen: Er wäscht seine Hände in Unschuld. „Ich kann ja nichts dafür und ich würde ja soooo gerne anders handeln – aber die Umstände erlauben es halt nicht.“

Wer hat hier eigentlich das Sagen? Wer hat hier eigentlich die Macht? Der römische Statthalter, Vertreter der großen Weltmacht, oder die Vertreter des besetzten Landes? Immer wieder wurde dieser Text herangezogen, um den Juden allein die Schuld am Tod Jesu zu geben. „Seht doch, hier steht’s: Die Juden selbst übernehmen die alleinige Verantwortung für den Tod von Jesus Christus. Sie sagen sogar, dass sein Blut über sie kommen soll. Dann ist es doch nur gerecht, wenn sie von uns Christen im Lauf der Geschichte immer wieder dafür bestraft werden!“ Aber hatte Pilatus wirklich keine andere Wahl?

Es ist so leicht, seine Hände in Unschuld zu waschen, wenn anderen Unrecht getan wird. „Ich war ja nicht beteiligt. Die anderen waren es! Und durch die äußeren Umstände konnte ich auch leider, leider nicht eingreifen…“ Ich merke, wie ich selbst immer wieder zu dieser Haltung tendiere: Lieber wegschauen und Ungerechtigkeiten ignorieren, anstatt selbst einzugreifen und sich womöglich einigen Ärger aufladen.
___
Foto: washing hands by invisible monsters (Some rights reserved)

Bewerte diesen Artikel

2 Gedanken zu „Matthäus 27, 15-30 – Die Hände in Unschuld waschen“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.