Matthäus 26, 6-13 – Bei Herrn Lepra zu Gast

Eigentlich geht es hier ja um die Frau, die kostbares Salböl über Jesu Haupt ausgießt, um ihm damit eine besondere Ehre zu erweisen. Aber ich bin am ersten Satz hängen geblieben: „Als Jesus nun in Bethanien war im Hause Simons des Aussätzigen.“ Nur eine Ortsangabe. Aber halt! Wo ist er?!? Im Haus eines Aussätzigen? Er ist Gast bei jemand, der eine hoch ansteckende und eklige Krankheit hat? Und er isst sogar mit ihm?

Aussatz bezeichnet normalerweise Lepra (es kann auch andere Krankheiten meinen). Und schon damals wusste man, dass Aussatz ansteckend ist, und dass man sich am besten von solchen Leuten fernhält. Bei den Juden galten Aussätzige nicht nur als körperlich unrein, sondern auch als religiös unrein. Aussätzige durften sich dem Heiligen nicht nähern. Gott ist absolut rein und perfekt – er hat nichts mit Unreinheit und Aussatz zu tun. Wer zu Gott gehört, der sollte sich möglichst weit von solchen Aussätzigen entfernt halten. Und so wurden die Aussätzigen damals konsequent aus der Gemeinschaft und auch aus dem religiösen Leben ausgeschlossen.

Jesus, du bist echt krass!!! Nicht nur rein menschlich gesehen – wer von uns hat schon große Lust mal gemeinsam am Tisch mit einem Leprakranken zu essen, mit ihm die Schüssel zu teilen? Auch vom Glauben her stellt er so manche bisherigen Vorstellungen auf den Kopf: Der heilige, absolut reine Gott sucht die Gemeinschaft mit den Ausgestoßenen, Kranken und „Unreinen“.

Auch bei der Frau mit dem Salböl stellt Jesus so manches vernünftige Argument auf den Kopf. Aus der Parallelstelle bei Markus wird deutlich, dass das Öl soviel wert war, wie ein Tagelöhner in einem Jahr verdient! Ist doch verrückt! Das Geld einfach so weg kippen! Ne ganze Familie hät man damit ein Jahr ernähren können!

Warum das alles? Aus Liebe: Weil deine Liebe zu uns so stark ist, dass sie alles andere überwindet. Und weil unsere Liebe zu dir stärker sein soll als alle Vernunft.

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