Matthäus 26, 57-68 – Fanatismus oder Relativismus?

Was veranlasst die religiösen Leiter der Juden dazu, diesen Jesus töten zu wollen? Warum diese extreme Reaktion auf Jesus? Ging es ihnen nur um den eigenen Machterhalt, weil sie merkten, dass Jesus ihnen die Meinungsführerschaft in Sachen Glauben strittig machte? Ging es um politische Argumente („Wenn dieser Jesus so weiter macht, kommt es zu einem Volksaufstand und dann machen uns die Römer alle platt!“ – vgl. dazu Joh. 11,50). Waren sie einfach beleidigt, weil Jesus sie oft so hart angegriffen hatte? Oder waren sie tatsächlich überzeugt, im Namen Gottes zu handeln (Wenn jemand von sich beansprucht, Gottes Sohn zu sein, dann ist das ja tatsächlich eine ganz schöne Provokation!).

Ich vermute mal, dass die Motivation da durchaus gemischt war. Auch im Hohen Rat gab es einige, die Jesus gegenüber positiv eingestellt waren (z.B. Josef v. Arimathäa; vgl. Lk. 23,50f), die sich aber offensichtlich nicht durchsetzen konnten.Und bestimmt waren so manche auch wirklich davon überzeugt, dass sie den Glauben vor diesem „falschen Messias“ schützen mussten.

Wir erleben bis heute wie Religion, vor allem wenn sie dann auch noch mit Politik vermischt wird, Menschen fanatisch und rücksichtslos machen kann. Interessanterweise vor allem diejenigen, die sehr davon überzeugt sind, dass Gott auf ihrer Seite ist, dass sie im Namen Gottes handeln.

Auch auf die Gefahr hin, dass mein Glaube so manches mal im Vergleich zu anderen Christen etwas saft- und kraftlos wirkt: Ich möchte trotzdem vorsichtiger, bescheidener und demütiger sein mit meiner Vorstellung von Gott und meiner Art den Glauben zu leben. Ich möchte nicht den Anspruch haben, immer genau zu wissen, was Gott will und was nicht. Lieber ein bisschen zu viel Relativismus, als zuviel Fanatismus.

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.