Matthäus 26, 47-56 – Was heißt hier Verrat?

Worin bestand eigentlich der Verrat des Judas? Jesus formuliert es in diesem Text ja selbst: Er war täglich im Tempel und hat gelehrt. Er hat sich nicht versteckt wie so manche Terroristen heutzutage, sondern jeder konnte ihn sehen und wusste, dass er in Jerusalem war. Wozu war hier ein Verrat notwendig? Auf theo-blogie wird das sehr schön erklärt: Nach Apostelgeschichte 1,16 zeigte Judas den Dienern der Hohenpriester den Weg. Und zwar den Weg zu einem Ort, wo Jesus ohne großes öffentliches Aufsehen und evtl. Unruhen gefangen genommen werden konnte (vgl. dazu auch Joh.12,19: Beim Einzug in Jerusalem stellen die Pharisäer frustriert fest, dass „alle Welt“ ihm nachläuft; nach Mt.26,4-5 wollen sie ihn mit List ergreifen, „damit es nicht einen Aufruhr gebe im Volk“). Der Kuss des Judas war dann ein hilfreiches Zeichen, um im der Dunkelheit gleich den richtigen zu erkennen.

Im Gegensatz zu der vorherigen Szene wirkt Jesus jetzt wieder gefasst und gestärkt. Matthäus macht deutlich, dass er nach dem inneren Kampf und der Verzweiflung jetzt bereit ist, ganz bewusst diesen Weg zu gehen. „Meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, dass er mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schickte?“ (V.53) Mit Leichtigkeit hätte Jesus seine eigene Haut retten können – aber das wollte er nicht – er wollte die Welt retten!

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