Matthäus 26, 36-46 – Die Nacht der Verzweiflung

Der Heiligenschein zerbröselt. Die Stacheln der Dornenkrone beginnen schon zu drücken. Das Licht der Verklärung wird zur Nacht der Versuchung… Wir stellen uns Jesus gern als den souveränen, gelassenen, allwissenden Superhelden vor, den nichts aus der Bahn werfen kann. Mit dem Bild, das in diesem Text von Jesus gezeichnet wird, ist die Bibel ganz schön mutig. Er war „zutiefst verzweifelt, und schreckliche Angst quälte ihn“ (Neues Leben Bibel). Seine Seele ist zu Tode betrübt.

Wider besseres Wissen (vgl. Mt. 26,1.28f) bittet er darum, dass Gott einen anderen Weg findet. „Muss das wirklich sein? Muss ich wirklich sterben, um Gott und Mensch zu versöhnen? Gibt es keinen einfacheren Weg?“ Er leidet! Er kämpft – mit sich und mit Gott! Er ist nicht derjenige, der kurz mal mit göttlichen Superkräften den Teufel aus dem Weg schubst. Es ist auch für ihn ein schwerer, kaum erträglicher Weg. Und trotzdem geht er ihn.

Wir haben uns daran gewöhnt. Für uns ist es selbstverständlich. „Jesus ist für uns ans Kreuz gegangen – natürlich, wozu sollte er sonst in diese Welt gekommen sein? Jesus trägt unsere Schuld, damit wir Frieden mit Gott haben können – natürlich, Gott ist ja die Liebe und er vergibt uns gern. Jesus gibt sein Leben für dich – natürlich, er ist ja schließlich der Sohn Gottes und erfüllt damit nur seinen Auftrag.“

Wach auf und sieh genau hin, wie er leidet und kämpft! Verschlafe nicht im weichen Himmelbett der Liebe Gottes, seinen Kampf um dich! Die Gnade ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein teuer erkauftes Wunder.

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