Matthäus 26, 17-25 – Herr, bin ich’s?

Jesus feiert mit seinen Jüngern das Passahmahl. Eigentlich ein Familienfest, bei dem man sich an die Wurzeln des jüdischen Volkes erinnert und es sich bei einem Festmahl gut gehen lässt. Allerdings war die Stimmung alles andere als festlich und fröhlich. Jesus kündigt an, dass einer von den Jüngern ihn verraten wird. Gemeinsames Essen und Feiern war damals noch viel mehr als heute ein Zeichen für Gemeinschaft und Verbundenheit – einer wird diese Gemeinschaft verraten.

Das erstaunlich ist nun, dass jeder einzelne anfing zu fragen: „Herr, bin ich’s?“ Jeder einzelne hat ernsthaft mit der Möglichkeit gerechnet, dass er Jesus verraten könnte. Jeder hätte es sein können. Das passt ganz gut zu meinen gestrigen Überlegungen…

Im Nachhinein ist es leicht, den Judasen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Nach dem Motto: „Hab ich mir doch gleich gedacht, dass der Judas ihn verraten wird. Der war schon immer so geldgierig und hinterlistig. Der hat es doch von Anfang an nicht ehrlich gemeint. Zum Glück bin ich nicht so wie der…“ Die Jünger sind an dieser Stelle aber erstaunlich ehrlich: „Auch wenn ich es eigentlich nicht will, es könnte trotzdem sein, dass ich es bin. Es könnte sein, dass gerade ich versage.“

Matthäus 26, 17-25 – Herr, bin ich’s?
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14 Gedanken zu „Matthäus 26, 17-25 – Herr, bin ich’s?“

  1. ein starkes Datail ist:
    alle nennen Jesus Herr, nur Judas sagt ‚Rabbi‘!

    ich meine, wenn Jesus unser Herr ist, dann ist petrusmässiges Versagen kein Verrat, sondern Teil der Übung und des hineinwachsens in das vollkommene Werk…

    LG+Segen

    1. Das mit der anderen Anrede von Judas ist ja spannend, ist mir noch gar nicht aufgefallen!
      Ich denke auch, dass die Verleugnung des Petrus etwas anderes ist als der Verrat durch Judas. Petrus ist dadurch letztendlich gewachsen (er hat gemerkt, dass es nicht auf seine Großspurigkeit ankommt, sondern auf Jesus). Judas ist an seinem Verrat zerbrochen.

  2. und immer wieder erlebt zumindest meine eine, daß auch sie ein Judas ist. Und mein Herr und Gott und Freund und Hirte gibt mich dennoch nicht auf. ER ist mir nah, ich wende mich ab und gegen IHN. ER bleibt da. ER liebt weiter.
    Was für ein geniales gnadenvolles Geschenk! Wunderherrlich -und beschämend. Denn wo stehe ich ein, auch wenn ich mal das Gefühl habe, allein da zu stehen? Danke Jesus, dass Du uns nie aufgibst!

    1. Bin ich ja beruhigt, dass es auch noch andere gibt, die sich immer wieder mal als Judas vorkommen… 😉
      Aber das allein beruhigt ja nicht, sondern SEINE „wunderherrliche und beschämende“ (Schön!!) Liebe. 😀

  3. @ Bento

    ##ein starkes Datail ist:
    alle nennen Jesus Herr, nur Judas sagt ‘Rabbi’!##

    Wie ist das gemeint? Situationsbezogen? Weil es generell gesehen nicht so ist: Petrus nennt Jesus in Mk 9,5 und 11,21 Rabbi; verschiedene Jünger sprechen ihn in Joh.1,38+49; 4,31; 6,25; 9,2 und 11,8 damit an und schließlich nennt ihn Nikodemus in Joh. 3,2 so. Warum auch nicht? In den Fußnoten der Elberfelder steht zu Rabbi:
    d.h. Mein Meister!; respektvolle Anrede der geistlichen Lehrer im Spätjudentum. Und in Mt. 23,10 erklärt Jesus diesbezüglich den Jüngern: Lasst euch auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus.

    Grüße
    tape

  4. Hallo tape,

    da hast du recht, nicht generell, aber eben hier bei dieser entscheidenden Frage, wer Jesus verraten wird!

    Ein Rabbi ist ja jeder Lehrer im Judentum, das ist an sich nix Besonderes. Die Jünger waren auch während ihrer Zeit mit ihm noch hin und hergerissen und schließl. hatte er ja auch die „Funktion“ des Lehrers – und Nikodemus war da jdf. noch kein Nachfolger Jesu sondern suchte ihn als Lehrer auf.

    Die Aufforderung sich nicht Rabbi nennen zu lassen, verstehe ich so, dass eben nicht die jüd. Tradition (mit ihrer Hirarchie) weitergeführt werden soll, sondern nun alles auf Christus bzw. den Hl.Geist als Lehrer bezogen sein soll.

    Nach Pfingsten spricht jdf. niemand mehr von Jesus als Rabbi.

    ..und es gibt auch KEINE Stelle wo Judas explizit „Herr“ zu Jesus sagt – oder? Das finde ich schon spannend…

    Segen
    Bento

  5. Stimmt, Bento. In dieser speziellen Situation, Mt.26:22-25, wird Jesus nur von Judas mit Rabbi angesprochen:

    Und sie wurden sehr betrübt, und jeder von ihnen fing an, zu ihm zu sagen: Ich bin es doch nicht, Herr? Er aber antwortete und sprach: Der mit mir die Hand in die Schüssel eintaucht, der wird mich überliefern. Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie über ihn geschrieben steht. Wehe aber jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre jenem Menschen gut, wenn er nicht geboren wäre. Judas aber, der ihn überlieferte, antwortete und sprach: Ich bin es doch nicht, Rabbi? Er spricht zu ihm: Du hast es gesagt.

    In diesem Zusammenhang ist Joh. 13,27 unbedingt mit einzubeziehen. Das schützt auch uns vor zu schneller und harter Verurteilung von Judas Iskariot:

    27 Und nach dem Bissen fuhr dann der Satan in ihn. Jesus spricht nun zu ihm: Was du tust, tu schnell!

    Übrigens ist zu diesem Thema folgender Text sehr lesenswert (selbst wenn der ein oder andere letztendlich nicht mit dem Autoren übereinstimmen sollte):

    Arthur Muhl, Judas Iskariot und die Liebe Gottes

    Da ich hier neu im Forum bin, setze ich keinen Link, aber wenn man Autor und Titel in Google reinkopiert, ist es der zweite Link von oben.

    Grüße
    tape

    1. Hallo tape!
      Willkommen auf windhauch!

      Ich denk auch, dass an der Anrede Rabbi an sich nichts falsches ist, dass sie aber in dieser speziellen Situation und v.a. im Vergleich mit den anderen Jüngern durchaus auffällig ist.
      „Herr“ ist, gerade auch nach Ostern, eine gebräuchliche Anrede für Jesus. Im griechischen („Kyrios“) ist sie gleich lautend wie die Bezeichnung Gottes im Alten Testament. „Rabbi“ ist auch eine durchaus respektvolle und angemessene Anrede – betont aber mehr die menschliche Seite Jesu.

      Aber wie march sehr schön heraus stellt, kommt es nicht auf die Anrede an, sondern auf die Haltung, die dahinter steckt!

  6. hmm – mit Satan, das wird oft so gedeutet, dass der arme Judas „keine Wahl“ hatte und hier als Werkzeug des Satans herhalten „muss“, ich meine aber auch, dass die entscheidende Frage eben genau die Herzenshaltung ist, und die kann verhindern, dass Satan Einfluß und Zugriff bekommt oder kann eben „dem Teufel Raum geben“ (Eph.4,27).

    Es geht keinesfalls um „Verurteilung“ des Judas, sondern darum, die Wirkungsweisen und den Machtbereich des Bösen zu kennen. In der Gegenwart und Verbundenheit mit Jesus, HAT er keinen Raum, wenn unser Herz und unsere Gedanken aber auf anderes schauen (Geld, eig.Vorteil, eig.Pläne usw.), bekommt er diesen Raum und wird den ganz sicher nutzen!

    Gruß + Segen
    Bento

    1. Hab am Sonntag über den „Sündenfall“ (Gen. 3) gepredigt und auch dort kommt ja was ähnliches vor: Die Schlange wird manchmal sehr schnell mit Satan in eins gesetzt und dann kann man gut die Schuld auf ihn abschieben. „Die armen Menschen wurden halt verführt, was können die dafür?“
      Interessant ist aber in Gen. 3, dass die Schlangen explizit als Geschöpf Gottes bezeichnet wird. Also keine einfache Gleichsetzung von Schlange und Satan. Ich glaub trotzdem, dass der Satan da irgendwie seine Finger mit im Spiel hatte, aber man kann deswegen nicht einfach alle eigene Verantwortung auf ihn abschieben.

      1. hmm – meinst du wirklich, das wäre nicht identisch?
        – wer oder was sollte die Schlange denn sonst sein?
        – ist Satan etwa kein Geschöpf Gottes? (gefallener Engel)
        – gibt es nicht eine Aussage im NT, wo das gleichgesetzt wird?
        (z.B.Off.12,9)
        Fragen über Fragen.. 😉

        Genau, die Verantwortung haben wir schon!
        Mr.S -die alte Schlange- darf uns zwar anfechten oder verführen, es liegt aber an uns, ob wir uns Gott hingeben und ihm so widerstehen – dann kratzt er die Kurve! (Jak.4,7)

        1. Das finde ich gerade das interessante beim Sündenfall: Dass nicht eindeutig gesagt wird, wer oder was die Schlange ist. Wie gesagt: Der Satan hat da irgendwie seine Finger mit im Spiel und als gefallener Engel ist er auch ein Geschöpf Gottes. Ich denke aber, es bleibt bewusst offen, wie jetzt das genaue Verhältnis von Schlange und Satan ist, denn letztendlich sind es Adam und Eva, um die es geht.
          Wenn der Satan in Offb. als Schlange bezeichnet wird, ist das m.E. nicht zwangsläufig eine Gleichsetzung mit dieser einen Schlange im Paradies.
          Ich finde die Erklärung in meinem Bibellexikon treffend: „In der Bibel wird die Schlange erstmals als das subtile Geschöpf erwähnt, das vom Satan benutzt wird, um den Menschen von Gott zu entfremden.“
          Grüße und Segen!

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