Matthäus 24, 1-14 – Das Ende ist nahe – und zwar ständig!

Jesus kündigt seinen Jüngern an, dass der Tempel in Jerusalem einmal zerstört werden wird – „kein Stein wird auf dem anderen bleiben.“ Und wie viele Christen auch heute, hat die Jünger vor allem eins interessiert: Wann? Wann wird das alles geschehen? Wann kommt das Ende der Welt und welche Anzeichen gibt es für das nahe Ende? Ich frag mich, warum gerade diese Frage so interessant und spannend ist, warum bis heute so manche Christen gerade bei dieser Frage mit Feuereifer dabei sind und die Augen leuchten. Ich für mich find’s okay und sogar gut, das nicht so genau zu wissen.

Seltsam finde ich, dass Jesus es bei der Antwort nicht einfach bei dem bewenden lässt, was er dann in Mt. 24,36 sagt: Niemand weiß, wann es soweit ist, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater. Warum führt er trotzdem Zeichen an, die darauf hinweisen, dass das Ende nahe ist? Will er die Jünger ermutigen, trotz manch schrecklicher Ding am Glauben fest zu halten? Bei mir bewirken diese Aufzählung von schrecklichen Dingen (Krieg, Hunger, Erdbeben, Christenverfolgung, …) eher das Gegenteil. Das macht mir Angst. Das macht mich unsicher. Das lässt mich ins Zweifeln kommen: Wenn das wirklich so schlimm wird, dann weiß ich nicht, ob ich bis zum Ende am Glauben festhalten kann.

Das verrückte ist ja, dass all diese Zeichen letztendlich gar nicht helfen, um zu bestimmen, wann das Ende kommt. Zum einen ist der Tempel in Jerusalem schon lange zerstört und das Ende ist trotzdem noch nicht da. Zum anderen gibt es Krieg, Hunger, Erdbeben, usw. eigentlich ständig. Irgendwo auf der Welt gibt es durch die Jahrhunderte durch immer wieder Krieg und Naturkatastrophen. Das ist heute nicht anders als vor 500 Jahren (wobei wir heute auch aus dem letzten Winkel der Erde schneller von solchen Dingen erfahren).

Vielleicht will uns Jesus damit gerade deutlich machen, dass das Ende eigentlich ständig nahe ist. Dass das Ende nicht nur zeitlich zu fassen ist, sondern dass der Zerbruch unserer alten Welt etwas ständig gegenwärtiges ist, etwas das uns ständig betrifft. Vielleicht will er uns damit deutlich machen, dass wir gerade nicht auf eindeutige Zeichen warten sollen und rechnen sollen. Denn wenn wir rechnen dann machen wir uns damit entweder verrückt, weil das Ende so nahe ist oder wir lehnen uns bequem zurück, weil das Ende ja noch nicht so schnell eintrifft.

The bride was beautiful
The bride was beautiful

Wichtig ist nicht, dass wir den Zeitpunkt kennen, sondern dass wir jeden Tag im Bewußtsein leben, dass diese Welt vergeht. Das erinnert mich dann wieder an das berühmte Apfelbäumchen bei Luther: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich trotzdem heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Heute bin ich auf dem Fotografie-Blog von Martin auf solch ein wundervolles Apfelbäumchen gestoßen. Eine 21 Jahre junge krebskranke Frau heiratet kurz vor ihrem Tod noch ihren Freund. Fünf Tage nach der Hochzeit ist sie tod. Hier gibt es diese Geschichte mit beeindruckenden Fotos von dem Hochzeitspaar. Schrecklich! Traurig! Und doch ist diese Hochzeit ein kraftvolles Apfelbäumchen, das lauthals gegen den Tod und die Vergänglichkeit protestiert. Ja, die Welt vergeht – und gerade deswegen müssen wir das Leben in vollen Zügen auskosten und so viele Apfelbäumchen wie möglich pflanzen!

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Foto: romainblanquart.com

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