Matthäus 23, 13-36 – Weh uns!

Sieben Wehe-Rufe gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Matthäus schreibt sein Evangelium vor allem für Judenchristen, die sich zur Zeit der Abfassung in ziemlich harten Auseinandersetzungen mit der jüdischen Gemeinde befanden. Vor diesem Hintergrund erklärt sich der scharfe Ton dieser Verse. Sicher hat auch Jesus selbst sich gegen die Schriftgelehrten seiner Zeit ausgesprochen, aber es scheint als ob Matthäus das besonders betont und in besonders ausführliche Worte kleidet. Bei Markus und Lukas (die ja an vielen Stellen wortwörtliche Übereinstimmungen haben) finden sich diese Verurteilungen nur ansatzweise (Mk.12,38-40).

Schon die Bibel gewichtet als Jesu Worte je nach der Situation, in die diese Worte hineinsprechen. So muss auch ich heute bei diesen Worten überlegen, in welche Situation sie bei mir im Jahr 2009 in Deutschland hineinsprechen. Wir Christen hier in Deutschland befinden uns nicht in Auseinandersetzung mit jüdischen Schriftgelehrten. Ich höre aus diesen Worten etwas anderes, als Matthäus selbst gehört hat. Ich höre eine Warnung an mich selbst: Pass auf, dass du nicht solch ein Mensch bist, wie hier exemplarisch und verallgemeinernd die Pharisäer und Schriftgelehrte dargestellt werden.

Ein Wehe-Ruf hat mich auf diesem Hintergrund besonders getroffen: „Von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht.“ ( V.28 ) Das ist bis heute noch eine Gefahr für jeden Christen und ganz besonders für uns Pastoren. Nach außen ein schönes Bild abgeben, aber innen drin wohnen ganz andere Gefühle und Gedanken. Zweierlei ist dann nötig: Innere Erneuerung und authentisches Leben nach außen.

Wehe uns, die wir oft als Hochglanzchristen erscheinen wollen, bei denen scheinbar immer alles glatt läuft und die ständig mit ihrem zufriedenen „Ich bin erlöst“-Lächeln herumlaufen. Weh uns, die wir unser Versagen nicht eingestehen können und die wir nur die weniger dramatischen Sünden öffentlich zugeben. Weh uns, die wir überheblich auf die weniger „frommen“ und „begeisterten“ Christen herab schauen und dabei selbst ein hartes, selbstgerechtes Herz haben.

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.